Ein weiterer Todesfall in Au-Dio

Radikale Demonstranten in LA reden seit dem Tod des Oscar W. bereits von der Henkerstadt Au-Dio. Auf Transparenten finden sich Abbildungen von Galgen, die den Namen Au-Dio tragen. Daneben steht ein in schwarzen Kutten gekleideter hämisch lachender Gularsk. Die Botschaft: In der Trance Nation und im SKS wird wieder das gefürchtete Rechtssystem der Naia-Zeit eingeführt. Der Galgen steht symbolisch für die willkürliche Gerichtsbarkeit im Königreich Naia.

Nun gibt es einen weiteren Todesfall. Wie aus Socialmedia und unabhängigen Berichten hervorgeht, wurde eine 41-Jährige Chirurgin ebenfalls aus Lingan auf offener Straße erschossen. Die Karpapol redet von einem erneuten Fluchtversuch, der als letztes Reaktionsmittel lediglich den Einsatz der todbringenden Waffe ermöglichte.

Bei der Toten handele es sich um Leona S. die während der Zeit der Massenverhaftungen Urlaub in Tranceheaven gemacht hatte. Sie wurde wie Oscar W. nach Au-Dio in ein provisorisches Gefangenenlager deportiert. Eine Stunde nach den tödlichen Schüssen wurde beobachtet, wie maskierte Einsatzkräfte der Karpapol den Leichnam der Leona S. über den Zaun der Bündischen Botschaft in Tranceheaven warfe. Die Frau sei komplett entkleidet gewesen. Ihr nackter Körper war rein und wies abgesehen von der Schusswunde keine Anzeichen einer Folter oder Misshandlung auf.

Menschenrechtsorganisationen zweiflen an Fluchtversuch

Verschiedene Menschenrechtsorganisationen haben bereits ihre Vermutung geäußert, dass Leona S. nicht wie durch Karpapol behauptet geflüchtet sei, sondern „mit dem Vorsatz der Tötung“ in Au-Dio nahe dem provisorischen Gefangenenlager laufen gelassen und wenig später erschossen wurde. Ein Fluchtversuch hätte eindeutige Verletzungen an Haut und Körper der Toten zeigen müssen, so lautet das Hauptargument. Der Stacheldraht und die lautlosen Wurfmesseranlagen, die an dem provisorischen Gefangenlager (PGL Au-Dio) errichtet wurden, hätten nie einen unversehrten Fluchtversuch ermöglicht.

Die Karpapol und Gularsks Büro indess reden von einem Verdacht der Teleportation durch Voodoo Zauberei.

Narrenfreiheit: Über das erneute Versagen diplomatischer Bemühungen

Seit zwei Tagen eskaliert der Direktor Alfons Gularsk und ordnet eindeutig politisch motivierte Massenverhaftungen an. Das Ziel: Wie immer der ewige Feind, die IADN. Bei den vorhergehenden Massenverhaftungen im Jahr 2518 gab Gularsk noch diverse Gründe an: der damalige Tatverdacht verschiedener IADN Bürger wurde über ein angebliches Profilingergebnis gerechtfertigt, aus welchem hervorging, dass das Verzehren von Rindsteak mit Ketchup eindeutige terroristische Züge beweist. Von dieser Verhaftungswelle wurden nach wie vor nicht alle politisch gefangenen freigelassen. Nun gibt es mindestens 2.000 weitere Opfer der gularskschen Launen. Warum kann sich Gularsk das erlauben und warum passiert nichts?

Von vorn: Um 4000 südkarpatischer Ortszeit wurde offiziell bestätigt, dass es einen vermeintlichen Anschlagversuch auf Alfons Gularsk gegeben haben soll. Der Indikator: Gularsk habe schlecht geschlafen. Wie auch beim bekannten Kènobi-Skandal (NN16, NN18, NN29 berichtete) sieht Gularsk die Ursache für seinen schlechten Schlaf in einem terroristischen Voodoo Angriff. Diese Aussage reichte, um den nationalen und den karpatischen Notstand auszurufen. Die Folge: im gesamten SKS gilt das Kreigsrecht. Massenverhaftungen und inländischer Einsatz des Militärs stehen auf der Tagesordnung. Vor zwei Tagen wurden 2.000 Menschen verhaftet. Jeden Tag werden es mindestens 500 weitere. Das Vorgehen dabei ist stark rassistisch und absolut politisch. Jeder, der keinen karpatischen Ausweis vorweisen kann, gerät in Untersuchungshaft. Stellt sich bei der Identiätsüberprüfung heraus, dass es sich um einen Staatsbürger der IADN Staaten handelt, wird die Person bis auf Weiteres in einem Gefängnis oder in einem der provisorischen Gefangenenlager eingewiesen.

Touristen, die derzeit nicht in Gefangenschaft leben, sind allerdings dennoch festgesetzt. Sie dürfen ihren aktuellen Aufenthaltsort, das heißt das Land, in dem sie derzeit ihren Urlaub verbringen, nicht verlassen. Müssen ihre Ausweise bei sich tragen und sind angehalten mit der Karpapol in jeglicher hinsicht zu kooperieren. Die Situation der IADN Touristen in den 7 SKS Staaten ist derzeit aussichtslos. Doch das Schlimmste: die IADN hat bis heute nicht reagiert.

Trotz Reisewarnungen hat der Tourismus in den SKS Staaten in den letzten Jahren einen massiven Zuwachs gewonnen. Der Grund: im SKS konnte man sich weitgehend ohne Einschränkungen durch Asch-20 bewegen. Die Krankheit wurde konsequent geleugnet, wodurch viele Veranstalter ihre Konzerte und Filmpremieren im SKS durchführen konnten. Aber auch unabhängig von der hohen Kulturdichte bleiben die Südkarpaten ein attraktives Reiseziel. Der Lebensstandart ist sehr hoch, es gibt weite weiße Strände, eine ausgezeichnete Trance Kultur und eine lange traditionsreiche Geschichte, die jedes Jahr Millionen Touristen fasziniert. Reisewarnungen auszusprechen ist zu wenig – und nicht sofort zu reagieren ist erbärmlich. In den sozialen Medien häufen sich Meinungsbilder von enttäuschten, aber zumeist auch zornigen und empörten Touristen, die ihre Regierung auffordern, irgendetwas zu unternehmen. Doch es bleibt still um Neu Knossos, dem Hauptsitz der IADN.

Es ist an der Zeit, Position zu beziehen, dem Irrsinn ein Ende zu setzen und endlich aufzuzeigen, wo die Grenzen der Vernunft liegen. Die vereinzelten Nachfragen der Diplomaten an Gularsks Büro verliefen – welch große Überraschung – ergebnislos. Wer mit einem Narren verhandeln will, der macht sich selbst zum Narr. So auch gerade die IADN.


Ein Kommentar von Sir Læð von Måsøschcer

Norbok an der Seite des SKS

Tranceheaven. Wie nach einer Zusammenkunft des Trance Nation und SKS Direktors Alfons Gularsk und des Norboker 3-Sterne Generals, zugleich Staats- und Regierungschef, Reedik Lippmaa von offizieller Seite bekannt gegeben wurde, wird es in naher Zukunft engere Zusammenarbeit zwischen dem SKS und Norbok geben. Ganz konkret wird diese Zusammenarbeit erstmals geäußert in einer Beteiligung Norboks im Bangabandhu-Konflikt.

Blick auf Bangabandhu

Die Situation in Bagabandhu spitzt sich derzeit zu, dem SKS ist es dank einer nächtlichen Aktion gelungen, eine Verteidigungslinie etwa eine viertel Gyle (ca 90 Gaia-km) östlich der IRB Grenze zu ziehen und damit Kampfhandlungen gegen die EBR auf dessen Territorium stattfinden zu lassen. Die Kämpfe sind brutal und chaotisch; die Streitkräfte des SKS sind nicht unbedingt kampferprobt und teilweise mit den verschiedenen Situationen überfordert.

Um diesen Vorsprung in Bagabandhu halten zu können hat Lippmaa nun angekündigt, 1.000 Soldaten, ebenso eine größere Flotte.  Mit 2 Hubschraubträgern umgehend gen Krisenherd zu entsenden, um die Machtverhältnisse zu ordnen, den Truppen des SKS Unterstützung zu bieten – und nicht zuletzt auch dank strategischem Gechick auch die Strukturen der SKS Kampfhandlungen besser herauszuarbeiten. Es gilt zu erwarten, dass die Entsendung dieser militärischen Ressourcen erheblichen Einfluss auf den Bagabandhu-Konflikt haben wird.

In den Medien des SKS und Norbok bekannte sich Lippmaa zu der Freiheit Bangabandhus und dessen Zugehörigkeit zur IRB. Er betonte mehrfach, dass es sich bei der EBR um eine Terrormiliz und bei der Unionsrepublik Bangabandhu um ein Unrechtsregime handle, lobte den frühen Einsatz des SKS und dessen Direktor Alfons Gularsk mit den Worten: „Gularsk ist ein guter Mensch, bereit alles zu opfern für die Freiheit von bedrängten Staaten. Die Freiheit Bangabandhus bedeutet die Freiheit der IRB!“

Hoffnung auf Asgarden

Wie Alfons Gularsk bestätigte, werde er sich persönlich dafür einsetzen, dass Norbok einen Platz in der Asgardischen Union finden wird. „Lippmaa ist nicht nur ein weiser und geschickter Lenker seines Staates, sondern er hat auch sein Herz am rechten Fleck. In den vielzähligen Gesprächen und Verhandlungen, die wir geführt haben, ist eines deutlich geworden: Norbok unter der Regierung Lippmaa – lang möge er regieren – wäre eine deutliche Bereicherung für die Asgardische Union“

Die Asgardische Union – kurz AU – soll die weiterentwicklung und Fortführung des Gedankens des Asgarden-Paktes werden und nimmt zum 01.08.2520 (GZR) ihre Arbeit auf. Bislang war Norbok nicht an den Verhandlungen rund um Asgarden und den G4 beteiligt, schaute allerdings oft sehnsüchtig auf die militärischen und wirtschaftlichen Vorzüge dieses gewaltigen Bündnisses. Dem neuen Freund Gularsk ist es nun zu verdanken, dass der Traum von Integration und Wohlstand für Norbok bald in Erfüllung gehen könnte.

Bilaterale Zusammenarbeit zwischen TN und Norbok

Auch ohne Asgarden, so haben es Gularsk und Lippmaa angekündigt – wird es weitreichende Zusammenarbeit zwischen den beiden Diktaturen Trance Nation und Norbok geben. Wie aus einigen Interna hervorgegangen ist, wird derzeit an einer Liga demokratiekritischer Staaten gearbeitet, welche sich zu starker militärischer und wirtschaftlicher Zusammenarbeit verpflichtet. Südmeeren und Varnum haben bereits Interesse an einer Mitarbeit geäußert. Inwieweit ein solches Bündnis allerdings Redundanzen zu Asgarden aufbringen wird, muss sich noch herausstellen.

Wichtig ist: Zwei bedeutende Diktaturen aus dem karpatischen Seeraum besiegeln eine Zusammenarbeit – nicht nur mit Worten, sondern mit realem Einsatz: Truppen werden nach Bangabandhu verlegt, Norbok nach Asgarden eingeladen. Die Diskussion um die Sinnhaftigkeit von Demokratie wird langsam wieder salonfähig gemacht. Eine Entwicklung, die den nahen Nachbarn von Norbok, etwa dem Balmanischen Bund – allen voran Allmeeren – durchaus Sorgen bereiten dürfte.

Granaten sind nur Beiwerk – Bericht eines Bangabandhu-Frontsoldaten

Der SKS Direktor Alfons Gularsk fährt derzeit mit einer weiteren Bangabandhu-Offensive auf. Zielsetzung: Auflösung der Ehrbaren Bangabandhischen Republik, eine – nach Auffassung des Diktators – Terrormiliz, die ebenso unrechtmäßig agiert wie die Unionsrepublik Bangabandhu. Den Preis für den Traditionalismus des Gularsk zahlt jedoch nicht er selbst, auch nicht sein eigenes Volk, sondern die vielen fremden bagabandhischen Völker, die seit Jahrzehnten vom einem Brennpunkt in den nächsten getrieben werden.

Seit Beginn dieses Monats befinden sich wieder SKS Truppen in Bangabandhu, diesmal erstmalig mit LKW-Ladungen voller scharfer Munition und einem eindeutigen, offensiven Befehl. Die Grenze des EBR-Kontrollierten Territoriums soll weiter gegen Osten gedrängt werden. Um jede Myle wird gekämpft. Zu Beginn der vorletzten Woche erreichte das Norsbrôker Nystablåden eine Zusendung von der Bangabandhischen SKS/EBR Front. Der Absender, ein einfacher Soldat, der aus nachvollziehbaren Gründen anonym bleiben wird, schickt uns zerkritzelte Papierfetzen, teilweise notdürftig aus Toilettenpapier und vergilbten Umverpackungen zusammengebastelt; teilweise mit weißem Filzstift über Seitenweise geschwärzte Zeitungen geschrieben.

Die Redaktion des NN hat sich nach reiflicher Überlegung dazu entschlossen, den gesamten Inhalt dieser Nachrichten bzw Nachrichtenfragmente zu veröffentlichen. Nicht nur, weil die Öffentlichkeit ein offenkundiges Interesse am aktuellen Bangabandhu-Konflikt hegt – sondern vorallem auch deshalb, weil es die Worte und Gedanken dieses Frontsoldaten verdient haben, gehört zu werden. Die Fragmente wurden an einigen Stellen durch eine Expertenkommission sinngemäß und entsprechend der Logik vervollständigt, jedoch nicht durch das NN in einen anderen oder einen neuen Zusammenhang gebracht. Die Aussagen und Wertungen im nachfolgenden Text spiegeln nicht die Meinung des Norsbrôker Nystablåden wieder.

1. Fragment

Ich bin Soldat forderster Front der [  ] Kompanie im Bangabandhufeldzug. Ich weiß nicht, ob ich schreiben soll, weiß nicht, ob diese Zeilen je ein Mensch zu Gesicht kriegen wird – aber Schlaf ist ausgeschlossen und so schreibe ich, weil ich nicht schlafen kann – denke, weil ich nicht träumen kann. Es ist vielleicht eine Beruhigung, dass die meisten Mitglieder meiner Kompanie anders als ich bereits Kampferprobt sind, Erfahrung mit sich bringen. „Wenn der Feind kommt“, denke ich, „dann werde auch ich zum Mörder wie wir alle.“

[…]

Heute erster Einsatz an der Front. Stützpunkte in Dörfern errichtet. Ein Bauer hat sich zur Wehr setzen wollen, nach Schießübungen an seinem Rind hat er sich dann doch ergeben. Heute gab es Steak zum Mittag, ismusistisches Rind. Während wir in Dörfer an der Front position beziehen, Menschen aus ihren Häusern verjagen um unsere Verteidigungslinien zu stärken, verschwimmen die Grenzen zwischen Gut und Böse wie zwischen IRB und EBR. Ein Gedanke nur, aber was für einer! Die Menschen hier reden nicht viel, es ist ruhig auf den Straßen. Nur das brummen der Panzermotoren geht wie ein Mantra im Takt.

[…]

Grenzüberschreitung um 08; erste Schüsse seitens der EBR, das Feuer wird nicht erwiedert. „Weiterfahren“ sagt mein Kompaniefeldwebel nur. „Weiterfahren.“ Ca eine viertel gyle östlich der Grenze ziehen wir die ersten Schützengräben. „Spatenstich zum Paradies“ sagt mein Kumpel spöttisch. Es ist eine Kunst, diesen Humor bis an seinen Galgen zu tragen, denke ich. Sage es dann aber doch nicht, schau ihn  nur an, wie er da steht mit seiner Schaufel und gräbt. „Weitermachen“ sagt mein Kompaniefeldwebel von hinter mir. „Weitermachen.“ Ich und ein paar Dutzend andere Soldaten grabe mit dem Spaten. Alles nach Lehrbuch.Spaten ziehen gerade Linien, Maschinen graben hintenan.

2. Fragment

„Weiterschießen!“ ruft mein General „Weiterschießen!“ Ich schieße, weiß gar nicht mehr wohin, überall fliegt Staub um mich herum, keine Sicht nach vorn, nach hinten. Kurz Stille, keine Ruhe, gebrochen nach wenigen Sekunden, die Abwehrgeschütze donnern. Ich höre Gebrüll und Schreie, kaum voneinander zu unterscheiden in dem Tumult. Nur ein Wort dringt zu mir durch „Weiterschießen!“

[…]

Sirenen in der Ferne, ein EBR Bataillon wurde wenige Myle östlich von uns positioniert, haben unsere Stellung entdeckt. Wenig später geht auch bei uns die Sirene […] laufe durch die gegrabenen Gänge zu meinem Gewehr und warte. […] In dieser Nacht ist keiner gestorben.

[…]

Alarmsignal in der Nacht. Kaum einer hat wirklich geschlafen, schauen trotzdem aus wie gerade aufgeweckt. Erste Meldung vom diensthabenden Feldwebel, Granatenbombardement. Im Lager bleiben, den Angriff aussitzen. Raus gehen ist zu gefährlich. Ich schau zu meinem Kumpel, er zu mir. Wir beide sind noch nicht zu Mördern geworden. Aber die anderen hier? Der Tod scheint den meisten nichts mehr auszumachen. Sie müssen sich fühlen wie Maschinenmenschen, mit ihren Maschinengewehren. In meinen Ohren nur das Echo „Weiterschießen“

[…]

Das Bombardement hält an, hier unten sind wir vielleicht sicher – aber wie lang? Vorräte reichen aus für bestimmt noch zwei Wochen. Granaten sind nur Beiwerk in diesem Höllenspiel. Längst ist uns das Leben unter der Erde zum Feind geworden. Mir fehlt das Sonnenlicht, anderen geht es ähnlich.

[…]

Heute das erste mal Stille. Versorgungstransport kommt an, bringt Munition, Essen, Zeitungen, die aber Seitenweise geschwärzt sind. Wir dürfen an der Front nicht wissen und nicht denken, was der Feind über uns druckt. Nach einigen Stunden göttlicher Ruhe dann der Befehl des Generals. Wir sollen zurück auf Gefechtsposition. „Weiterschießen“

3. Fragment

Videobotschaft des Direktors Gularsk. Es ergibt alles wieder einen Sinn, meine Motivation ist so hoch wie nie zuvor während meines Einsatzes.  Anlass zur Freude: ab morgen wird gewechselt, unser Trupp kommt für zwei Wochen in die Verteidigung, dort gibt es weniger Granaten, bessere Versorgung, echte Betten, Sonnenlicht. Bei Apor, wenn ich dort nur Schlaf finden würde, ich wäre ein glücklicher Mensch. Es ist eine Ehre, für die Freiheit des unterdrückten Bangabandhu zu kämpfen! Den Schlaf kann man mir rauben, aber nicht die Ehre, für das Gute zu kämpfen!

[…]

Ruhige Tage, wie versprochen. Gularsk hat sich bei seinen Generälen für uns Frontkämpfer stark gemacht. Morgen soll gutes Essen kommen, Dampfkartoffeln – von SKS Sträflingen für die Front gepellt und geschält. Pekaka zum Nachtisch. Wir sind die Schutzpatrone in güldener Rüstung! Wenn das Ehre und Dankbarkeit ist, dann schmeckt sie sehr gut!

[…]

Arbeitseinsatz in der Verteidigung. Wir bauen Kontakt zu ortsansässigen Dörflern auf. Stoßen teilweise auf Verständnis für unsere Arbeit, das mindeste ist Akzeptanz. Die schweigsamen Einwohner beginnen langsam wieder zu reden, treffen sich mit uns. Wir dürfen nur bewaffnet in ihrer Nähe sein. Attentatgefahr.

[…]

Morgen geht es wieder an die Front. Die Kumpels haben saubere Arbeit geleistet, aber wir können noch nicht weiter vorrücken. Die Rebellischen EBR-Terroristen haben zu große Feuerkraft. Jetzt heißt der Befehl: Stellung halten. Ich packe meine Sachen zusammen und greife als letztes nach meinem Gewehr. In Gedanken nur ein Wort „Weiterschießen.“

4. Fragment

Die Freiheit Bangabandhus wird mit Schweiß und Blut bezahlt. Versorgungslinie gekappt, Vorräte reichen nur noch drei Tage. Angst vor Hunger ist groß. Mehr Munition als Essen da. Mehr Essen als Medizin. Es fehlt überall. Der Horror sind nicht die Granaten, der Horror ist die Angst.

[…]

Kein Essen mehr, kochen Schlammsuppe mit Hund. Heute fressen wir dreck, aber wenn die Terroristen weggefegt sind werden wir wieder in Pekaka beißen! Ich bin sicher Gularsk hat einen Plan uns hier zu befreien.

[…]

Gerüchte gehen um, das Gularsk eine A-Bombe Einsatzbereit halten möchte. Wir brauchen die Atomare Kanone weniger als eine Gulaschkanone. Morgen Offensive entlang der westlichen Versorgungslinie. Wir müssen die EBR-Aufständigen, die unsere Transporte abfangen beseitigen.

[…]

Wieder frei […] keine Zeit für Spielereien. Alle Mann auf Gefechtsstation, eine heiße Kartoffel für jeden auf die Faust, in der anderen Hand ein halbautomatisches Gewehr, zurück in den Graben, die Worte des Generals hängen mir aus den Ohren. „Weiterschießen“

Kein Schuss fällt. | Von der Utopie der friedlichen Revolution

Off-Beat. Die Fahnen vor der Herrenresidenz in Off-Beat wehen seit gestern in den Farben Blau-Gelb-Weiß. Unter dieser Trikolore hat das sogenannte Volk der Tausend Flammen schon im Jahr 2240 seine Unabhängigkeit gegenüber dem großkarpatischen Südenreich deklariert. Emanuel Kjamon lädt Pressevertreter aus aller Welt in seine Residenz ein, sie wird herzlich und feierlich willkommengeheißen – wenngleich die Anreise derjenigen Journalisten, die über den Trance Nation Kickoff Airport anreisen mussten, sicherlich beschwerlich war.

„Die Imagi-Inseln“ erklärt Kjamon feierlich nach den üblichen Begrüßungsworten „hat sich erfolgreich von der Trance Nation und dem Staatenbund Karpatischer Staaten emanzipiert.“ Bei diesen Worten verstummt das Tuscheln im Saal. Nur das Klicken der zahlreichen Kameras im Raum findet sein Echo im Raum. Nach den ersten Schrecksekunden dringt vom Vorplatz der Residenz her ein unermüdliches Jubeln, Hurra-Rufe und Lobpreisungen auf Kjamon. Sein neues Volk hat offenkundig in der selben Minute von der neuen Freiheit erfahren wie die Presse. Kjamon hält inne, genießt sichtlich den Zuspruch von allen Seiten. Vor der Residenz wird „Volk der tausend Flammen“ angestimmt, ein nationales Lied, welches – wie Kjamon später verkündet – zur Nationalhymne der Imagi Nation werden soll.

Nach einiger Zeit verstummt der Jubel, die Aufmerksamkeit richtet sich wieder auf Kjamon, der seine Rede fortsetzt. „Ich habe mit dem Direktor unseres Nachbarlandes Trance Nation eine Übereinkunft gefunden und die in Off-Beat stationierte Atombombe gegen unsere Freiheit eingetauscht. Gularsk wiederum hat sich verpflichtet, selbige Bombe nicht im Bangabandhu-Konflikt einzusetzen. So finden wir unsere Freiheit und mit etwas Glück, liebe Freunde, findet Bangabandhu bald seinen Frieden!“

Bis zur endgültigen Souveränität der Imagi Nation sei allerdings noch einiges zu erledigen betont Kjamon. Ein von Gularsk und Kjamon unterzeichneter Vertrag soll der ITUF vorgelegt und einer völkerrechtlichen Prüfung unterzogen werden. Bis die ITUF ihr okay gibt – das letzte Wort hierbei wird wohl der Sicherheitsrat der ITUF haben – wird eine verfassunggebende Versammlung einzuberufen und die Grundpfeiler der Imagi Nation gesetzt werden. Die Imagi Nation soll eine pazifistische, neutrale, friedliche Idylle werden, „Das Paradies der Karpaten soll wieder erblühen!“ (Kjamon)

Kein Schuss fällt.

„Diese Revolution“ hebt Kjamon in seiner Rede hervor, „soll der Welt als Beispiel dienen! Kein Tropfen Blut wurde vergossen, kein Schuss fällt. Unsere Freiheit wurde nicht mit Eisen und Blut erkauft, sondern über die Grundhaltung des Pazifismus und Anti-Warmongering hat unseren Weg geebnet. Ich schaue nach Neu-Weimar, ich schaue nach Novorythanien und rufe ihnen zu: Wenn ihr die Freiheit haben wollt, die unserer gleichkommt, dann folgt unserem Weg nach! Lasst die Waffen ruhen; Unsere Stärke liegt im Frieden!“

Allerdings mahnt Kjamon auch an: „Bei den Ausschreitungen in den letzten Tagen und Wochen wurden durchaus Straftaten begangen.“ Die Rede ist hier von Sachbeschädigung und Diebstahl, von Beleidigungen und Diskriminierung der TN-Anhänger. „Ich werde mich persönlich dafür einsetzen, dass alle Straftaten im Rahmen der Unabhängigkeitsbewegung aufgeklärt und von einem Gericht bewertet werden.“ Man müsse aus den Fehltritten der EBR-Unabhängigkeitsbewegung lernen. Klar ist, die ITUF wird einen neuen souveränen Staat nur dann bewilligen, wenn er beweist, dass er imstande ist, die verschiedenen Kompetenzen und Anforderungen zu erfüllen. Dieser Herausforderung werden wir uns stellen.

Für die Übergangszeit bis zur erklärten und durch die ITUF bestätigten Souveränität will Emanuel Kjamon als provisorischer Präsident der Imagi Nation fungieren. Eine dafür angesetzte Wahl wird bereits morgen, am 21.07.2520 (GZR) erfolgen. Zu diesem Termin werden auch von jeder insel jeweils 10 direkt gewählte Abgeordnete in die verfassunggebende Versammlung gewählt, um bis zum Ende des Monats eine Verfassung vorlegen zu können.

Bündnispolitik noch unklar

Bei all der scheinbaren Utopie gibt es allerdings auch noch eine wichtige Streitfrage: Die Bündnispolitik der Imagi Nation wird ein heißes Eisen werden. Kjamon kündigte an, dass er sich bewusst von der Trance Nation und dem SKS distanzieren möchte. Das allerdings würde einen Beitritt zur AU förmlich ausschließen. Allerdings hat er auch mit deutlichen Worten gesagt, dass er sich nicht der IADN anschließen möchte. Am liebsten wäre die Imagi Nation wohl bündnisfrei – allerdings kann dies auch ihren schnellen Untergang bedeuten. Schließlich ist sie als Volkswirtschaft enorm schwach aufgestellt. Die bisherige Haupteinnahmequelle, der Tourismus, war zudem auch künstlich durch massive Subventionen seitens Asgarden aufgestockt worden.

Es gilt abzuwarten, auf welche Deals sich Kjamon einlassen muss, um die Freiheit und Unabhängigkeit der Imagi Nation zu decken. In seiner heutigen Rede ließ er zu diesem Punkt allerdings bereits eines deutlich werden. „Die Imagi Nation definiert sich über ihren Pazifismus. Wir werden unter keinen Umständen einem Bündnis oder einem Vertrag zustimmen, der uns zur Aufrüstung verpflichtet oder die Ausbildung von Soldaten fordert. Das aktuell auf den Imagi Inseln stationierte Heer wird umgeschult und anschließend aufgelöst, der Raketenstützpunkt in Brahmar wird abgerüstet und sämtliche dort noch vorhandene DEF-Technologie wird unter Aufsicht der ITUF fachmännisch und irreversibel entsorgt.“ Es gilt allerdings abzuwarten, ob diese Bedingung des Pazifismus von den führenden Bündnissen wahrgenommen wird.

Trotz alledem: Scharfe Kritik trifft Kjamon

Im Anschluss an die Konferenz gab es aus weiten Teilen der Bevölkerung und den internationalen Besuchern viel Zuspruch. Allerdings auch heftige Kritik seitens der Hardliner unter den Rebellen: „Kjamon hätte die Atombombe unter keinen Umständen freigeben dürfen“ heißt es an einigen Stellen. „Es ist eine Schande, sich auf der einen Seite mit Pazifismus schmücken zu wollen – und auf der anderen Seite die Staatsgründung auf dem Fundament des Waffenhandels zu bauen!“

Fakt ist allerdings, dass sich der Kampf um die Unabhängigkeit der Imagi Nation ohne diesen Handel noch wesentlich weiter in die Länge gezogen hätte. Ob eine weitere Ausdehnung des Konfliktes wiederum  so gewaltfrei verlaufen wäre ist unklar.

Wider der Schmollerei! ITUF-Kritik fehl am Platz.

Mit einem einschlägig kritischen Statement hat der Außenminister Dianiens gestern für Schlagzeilen gesorgt. Für einen kurzen Moment hielt wohl so manch Leser den Atem an, so auch der Mandatsträger Ladislaviens im ITUF Sicherheitsrat.

Ein Gastbeitrag von Albert Scharfess

Als ich gestern Morgen wie gewohnt einen Blick in die Zeitung warf, ist mir mein Käsebrot im Hals stecken geblieben. Den ersten Impuls, eine wütende Reaktion zu formulieren oder gar den Herrn Simon Liit zu denunzieren habe ich zum Glück abgewendet. Seither bin ich hin- und hergerissen, ob ich nun überhaupt auf eine solch unangebrachte Kritik reagieren soll oder nicht. Käme die Meinung von einer weniger ernst zu nehmenden Person als ausgerechnet den Außenminister einer der bedeutendsten Volkswirtschaften Akronors, wäre es sicherlich die beste Herangehensweise gar nicht groß darauf zu reagieren, um den medialen Wirbel weitestgehend zu reduzieren. Hier allerdings spricht ein solcher Mann zu uns, dessen Tätigkeit als Außenminister prädestiniert sein müsste, die Strukturen der ITUF auszubauen und dort, wo Kritik angebracht ist, mit Taten und nicht polemischen Worten zu agieren.

Die ITUF stand bereits vor wenigen Monaten unter herber Kritik, nämlich seitens des Staatenbundes karpatischer Staaten, welcher – so fragwürdig ihre Regierungen auch agieren mögen – mit ihrer Kritik und ihrem Austritt wenigstens bewirkt haben, dass eine sinnvole Neustrutkturierung des Sicherheitsrates eingeleitet wurde. Ich spreche im Namen meines Tanmates, ja vielleicht sogar im Namen des Weltvolkes, wenn ich sage, dass die rehabilitation mancher Staaten nur der ITUF zu verdanken ist, und schon so manche Blutige auseinandersetzung durch die ITUF beigelegt oder gar verhindert werden konnte.

Es ist nahezu traurig zu lesen, wie sehr der dianische Außenminister die Aufgaben der ITUF falsch einschätzt. Die ITUF trägt keine Verantwortung für die humanitäre Hilfe im Bangabandhu. Dort sind andere Institutionen wie etwa das Rote Brett oder der GIF tätig. Die ITUF ist nicht verpflichtet gewesen, den Davien-Konflikt mitzugestalten – oder wie auch immer sich Liit das vorstellen mag. Die ITUF ist ein Forum, ein Rat, eine Verständigungsplattform. Sie ist die höchste Internationale Instanz, deren Aufgaben darin liegen, supernationale Konflikte ohne den Einsatz von Waffengewalt zu lösen, ohne Menschenleben zu gefährden.

Zeit bestehens hat die ITUF fast ausschließlich positive Meilensteine erreicht, der Einsatz von ABC-Waffen und DEF-Technologie wurde weitestgehend unterbunden. Verschiedene Krisenherde wurden erfolgreich bewältigt – und auch wenn Liit etwas anderes behauptet, war die ITUF maßgeblich an der Bekämpfung der Aschegrippe beteiligt. Auch wenn Kritik an anderer Stelle angebracht sein mag, übertreibt Liit maßlos in seinen Formulierungen, es wäre ein leichtes, alle seiner Aussagen in der Luft zu zerreißen, doch das soll nicht der Sinn des Essays sein. Die Motivation dieses Schreibens besteht darin, den werten Herrn Außenminister von seinem hohen Ross hinunterzuholen. (Die Aussage beispielsweise, ausgerechnet Dianien würde die angeblich bedeutungsarme IADN retten ist extrem unangebracht und ich bin gespannt darauf, wie seitens der Allmeeren und FRNX darauf reagiert wird)

Ein Außenminister wie Liit – und das möchte ich einmal in aller Deutlichkeit sagen – kann zu einer Gefahr für sein eigenes Land werden. Vielleicht sollte er einmal über einen frühzeitigen Ruhestand nachdenken. Dann lade ich ihn herzlich ein unsere schönen Karpaten mal zu besuchen. Die Heilige Küste zum Beispiel ist, dank der ITUF Arbeit, endlich wieder ein sehenswerter und schöner Touristenmagnet geworden.

Kurzmeldung: Ausschreitungen in Off-Beat

Off-Beat. Ein imposantes politisches Spektakel bereitet dem Regierungsstab der Trance Nation derzeit Kopfzerbrechen: Der von Gularsk geplante militärische Einsatz in Bangabandhu bleibt zwar international scheinbar ungerügt (seitens der ITUF gab es derzeit jedenfalls keine Reaktion), jedoch wendet sich nun das Staatsvolk der TN gegen seinen Direktor.

Die Rede ist hierbei nicht etwa von der breiten Bevölkerung, wohl aber von der unter der Verwaltungsherrschaft von Emanuel Kjamon stehenden Bevölkerung der Imagi-Inseln. Sämtliche Transportwege der in Off-Beat gelagerten ABC-Waffen (Einschließlich einer Atombombe, die zu einem geheimen Stützpunkt in Bangabandhu transportiert werden soll) werden von Demonstranten blockiert. Gularsk gab zunächst den Befehl zum Einsatz von Wasserwerfern und Gummigeschossen, doch die Demonstrationen hielten stand. Heute morgen lies Gularsk verlauten, dass er auch über den Einsatz scharfer Munition nachdenke. Daraufhin desertierte ein Großteil der Soldaten und Polizisten der Imagi-Inseln unter Verweis auf humanitäre Ideale.

In einer Ansprache „an das Volk der Imagi-Inseln“ befürwortete Kjamon den zivilen Protest gegen die militärische Vorgehensweise von Gularsk. Er kündigte an, dass er denjenigen Soldaten, die sich den humanitären Idealen verschreiben, politischen und reellen Schutz vor dem Gularsk-Regime gewähre, von welchem er sich mit dieser Rede ausdrücklich distanzierte. Infolgedessen legten 3.500 der 5.000 auf den Imagi-Inseln stationierten Soldaten einen Schwur auf die Freiheit und den Föderalherrn der Imagi-Inseln ab. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die restlichen Soldaten zu Kjamon überlaufen werden.

Eine Einschätzung der aktuellen Situation seitens Politikwissenschaftlern bleibt großteilig aus. Von einigen Stellen ist bereits von einem Putsch die Rede – Sicher ist: Ein Machtwechsel steht an. In der Ansprache „An das Volk der Imagi-Inseln“ erkannte Kjamon erstmals die gemeinsame Historie dieses Volkes an, und distanzierte sich von den TN-Machtansprüchen an die Inseln, welche „aus historischer Sicht durch nichts als imperialistischer Habgier zu erklären“ sei.

Die Stimmung auf den Straßen der Imagi-Inseln ist an einigen Stellen bereits ausgelassen: Die patriotischen Töne des Liedes „Volk der Tausend Flammen“ tönt aus allen Häuserecken. Soldaten und Polizisten reißen sich die Flagge der Trance Nation von ihren Uniformen und malen sich die alte Konfördernationen-Flagge der Imagi-Inseln auf. Es gilt abzuwarten wie Gularsk darauf reagiert. Seine Schnelleinsatztruppen sind gerade erst in der IRB eingetroffen. Sie dort wieder abzuziehen würde auch einen herben Rückschlag in Bangabandhu bedeuten. Welches Opfer er also zu welchem Zwecke geben mag ist ungewiss.

Wie Corinth das karpatische Gleichgewicht gefährdet.

Die Welt schaut nach Davien, die Welt spricht von Corinth, nur von Seiten des Staatenbundes karpatischer Staaten kam lediglich ein duldendes Schweigen. Einer der wichtigsten Verbündeten des Alfons Gularsk zählt nun als ausgelöscht. Die Demokratische Volksrepublik Diktatistan war einmal. Der Niedergang der DVD kann langfristig auch den Niedergang des Staatenbundes karpatischer Staaten einleuten, wenn es Alfons Gularsk misslingt einen neuen politischen Halt zu finden. Ein Kommentar von Sir Læð von Måsøschcer

Tranceheaven. Erstmals nach der Verabschiedung der Verträge von Corinth äußert sich Alfons Gularsk im Rahmen einer Ansprache an das Volk zu der derzeitigen Situation. In den letzten Monaten war es vergleichsweise ruhig um den Palast des Direktors; wer die Ursache dessen allerdings in der Aschegrippe sucht der irrt. Vielmehr werden es die internen Spannungen sein, die derzeit zwischen dem Direktor Gularsk und seinem Sekretär Emanuel Kjamon erstarken. Kjamon hatte hinter dem Rücken Gularsk den Wiedereintritt in die ITUF organisiert und sogar einen vorzeitigen Beitritt der Heiligen Küste hervorgerufen. Trotz seiner vergehen wurde Kjamon dafür bislang nicht gerügt. Vermutlich auch deshalb, weil die aktuelle politische Situation keinen Raum für einen personellen Wechsel der Trance Nation Regierung bieten kann.

In seiner Ansprache macht sich Alfons Gularsk erstmals seit der Amtseinführung Aarherz für die Autokratien der Welt stark. Seine damalige Rede wider die Demokratie hatte Ultosweit für Aufsehen gesorgt; die Vermutungen oder Hoffnungen, dass sich Gularsk mit der Zeit von dieser radikalen Position distanziert sollten mit der heutigen Rede aus der Welt geschafft sein: „Der Kampf für Bangabandhu ist noch nicht vorbei“ beginnt Gularsk seine Rede, „Der Kampf für Davien hat soeben begonnen. Diese Kämpfe folgen keinem territorialen Anspruch, sie folgen keinem Hass – sondern sie sind ein Beweis der Verbundenheit der Völker! Die torunische Habgier schlägt ein weiteres Mal zu und trifft ein weiteres Mal unsere engsten Freunde. Seit dem Niedergang Hermann von Lauenstein haben wir gehofft, dass die harte Hand der Vernunft seinen Weg in die davische Heimat wiederfinden würde, doch die Hoffnungen liefen ins Leere. Noch nie zuvor war Zusammenhalt und Courage so wichtig wie heute. Mögen die Regierungen wechseln, unsere befreundeten Völker brauchen jetzt unsere Rückendeckung!“ Die Rede des Gularsk wirkt, wie mit heißer Nadel gestrickt – doch jedes Wort sitzt und trifft das Herz der Bürger der TN. Gularsk verschärft ein gefährliches Narrativ der Verschwörungen und Anfeindungen gegen die torunische Ordnung.

Gefährlich sind jedoch nicht nur die Worte des Gularsk, sondern auch die Reaktionen des Volkes. Auf dem prall gefüllten Palastplatz jubeln die Menschen, bestärken die Worte ihres Direktors laufen blind in jede rhetorische Falle. Diese Diktatur braucht keine Inszenierungen begeisterter Anhänger, sie muss kein verzerrtes Meinungsbild verbreiten – denn es ist bereits verbreitet. Seit ich meine Arbeit als Korrespondent für das Norsbrôker Nystabladen hier vor fünf Jahren angetreten habe, hatte ich noch nie so viel Angst vor dem ausbrechenden Jubel, bei folgendem Höhepunkt der Gularsk-Rede

„Wir werden in Bangabandhu einmarschieren und Machtverhältnisse korrigieren!“

Mit diesen Worten beginnt Gularsk seine Ankündigung einer weiteren Bangabandhu-Offensive. Bereits seit 2516 gab es zunehmend rebellische Aufstände in der Ismusistischen Republik Bangabandhu. Die Aufständischen Handlungen richteten sich gegen den damaligen Regulator Boronius Babbot und sein diktatorisches Regime. Es wird davon ausgegangen, dass Babbot bei einem Anschlag auf seine Residenz getötet wurde. Nach dem Rücktritt des DVD Regulators Hermann von Lauenstein eskalierte die Situation in einen Bürgerkriegsähnlichen zustand und unter Einfluss der Föderalen Republik von Neukanabien und Xyllabien unter Jack Hahn konnten sich die Aufständischen Kräfte zentralisieren, organisieren und letztlich sogar eigene Hoheitsgebiete und die Souveränität beanspruchen, welche teilweise von verschiedenen Mitgliedern der ITUF anerkannt wird.

Der Rücktritt Lauensteins, die Gründung der Ehrbaren Bangabandhischen Republik und letztlich die Verträge von Corinth sind stets auch Angriffe auf den Staatenbund karpatischer Staaten gewesen, argumentiert Gularsk in seiner Rede. Diese Angriffe stellen laut Gularsk die Trance Nation und den Staatenbund in eine existenzielle Gefahr, weshalb sich Gularsk gezwungen fühlt, den „internationalen Verteidigungsfall auszurufen und der letzten Bastion der Vernunft, Südbangabandhu im Krieg gegen den torunischen Feind zur Seite zu stehen. Die Besetzung der IRB war nie legal und muss revidiert werden. Der Einmarsch und die Vernichtung der DVD gehört stark verurteilt und nach Möglichkeit revidiert“

Gularsk betont in einer anschließenden Pressekonferenz, dass sein Einsatz in Bangabandhu ausdrücklich kein Bruch mit der ITUF Charta 21 zum Wiedereintritt in die ITUF sei, da es sich ausdrücklich um eine Verteidigungsmaßnahme zur Sicherung der Souveränität eines verbündeten Staates handle und damit einem Ausnahmeszenario entspricht. Die sofortige Entsendung von 8.000 Soldaten in die IRB und die Mobilisierung weiterer 25.000 Soldaten sei damit keine Kriegshandlung. Weiterhin bestätigt Gularsk, dass seine militärischen Berater derzeit die Einsatzmöglichkeiten von ABC-Waffen im belagerten Gebiet prüfen.

Proteste auf den Imagi-Inseln

Die Bewohner der der Trance Nation angelagerten Imagi-Inseln gelten als einzige Widerständler der Gularsk Politik. Mehrere Demonstrationen und Proteste sowie politisch motivierte Sabotage-Aktionen verlangsamen derzeit den Abtransport der einzigen bekannten Atom-Bombe der TN von Off-Beat nach Tranceheaven. Emanuel Kjamon, Föderalherr der Imagi-Inseln distanziert sich ebenfalls von dem Vorhaben des Gularsk: „Der Kampf für unsere Brüder und Schwestern in der DVD und der IRB ist unerlässlich. Doch verurteile ich jegliche kriegerische Absicht.“ Als Verwaltungsoberhaupt der einzigen Föderalebene der TN steht Kjamon die Kompetenz zu, den Transport von Kampfmitteln zu koordinieren. In einer Pressemitteilung bestätigt Kjamon, dass er diesen Prozess wenn nicht aufhalten, dann wenigstens entschleunigen will. Nicht zuletzt schickte Gularsk deshalb nur 8.000 Soldaten mit sofortiger Wirkung in die IRB, weil die 2.000 Einsatzbereiten Soldaten der Imagi-Inseln unter Hoheit von Emanuel Kjamon derzeit keinen Transportweg zur Verfügung gestellt bekommen können.

Dies wird freilich den Einsatz in der IRB nicht verhindern, aber erschweren. Die Notwendigen Transportwege müssen erst sichergestellt und anschließend umgesetzt werden, sodass die Imagi-Soldaten erst zur TN abgezogen werden können und dann direkt in der IRB eingesetzt werden. Noch nie zuvor hatte sich Kjamon so stark gegen die Amtshandlungen seines Vorgesetzten Gularsk gewendet – und Kjamon trifft damit genau den Zuspruch der Demonstranten auf den Straßen. Die Imagi-Inseln und die Insel Trance sind so gespalten wie nie zuvor. Die ersten radikalen Rufe nach Souveränität auf den Imagi-Inseln werden immer geläufiger, auf nahezu jeder Demonstration wird das Lied der tausend Flammen gejohlt — Der Rest des Staatenbundes karpatischer Staaten distanziert sich zunehmend von Kjamon und seinem Imagi-Völkchen.

Das karpatische Gleichgewicht steht erneut auf dem Spiel

Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Streitmacht des SKS nicht im Ansatz etwas an den Grenzen der IRB ändern kann, steht mit diesem erneuten Einmarsch, dieser erneuten militärischen Aggresivität und diesem erneuten Bekenntnis zur politischen Radikale eine ganz andere Frage viel wichtiger im Raum: Wie wird die ITUF auf diese Offensive reagieren? Einige Abgeordnete der ITUF werden sich sicherlich nicht die Gelegenheit nehmen lassen, für einen Rauswurf zu plädieren. Ausgerechnet einen Monat vor Ende der vertraglich zugesicherten Neutralität kann sich die Trance Nation mit seinen de facto Satelitenstaaten nicht zurückhalten, es ist wie in einem Kindermärchen.

Andererseits darf man nicht vergessen, dass mit einem Ausschluss aus der ITUF die Lebensgrundlage von Millionen Zivilisten massiv in Gefahr steht, schließlich kamen die Subventionen für die Trance Nation zu Zeiten des ITUF-Austrittes hauptsächlich aus den Händen der DVD. Klar ist: Mit dieser späten und überraschenden Reaktion hat Gularsk erneut die Welt ins Beben bringen können.

ITUF-Beitritt: Ein Blick aufs Volk.

Heute Morgen gab Emanuel Kjamon zunächst als Pressemitteilung und später auch auf einer Pressekonferenz bekannt, dass er alle Schritte einleiten will, um den Staatenbund Karpatischer Staaten (SKS) zurück in die ITUF zu führen. Hierzu macht er von einem Verfassungsgesetz gebrauch, durch welchen de Direktor der Trance Nation, Alfons Gularsk, während der Urlaubszeit seines Amtes enthoben werden kann um staatliche Geschicke zu lenken. Die Reaktionen der karpatischen Bürger ist emotional, rührend und großteilig optimistisch. Medienreferent des NN im SKS, Sir Læð von Måsøschcer berichtet:

Wenige Stunden nach der bekanntgabe Kjamons, hat sich das Straßenbild hier in der Hauptstadt der Trance Nation und dem kulturellem und politischem Herzen des Staatenbundes gänzlich gewandelt. Die Menschen haben die Arbeit niedergelegt, treffen sich vor den Hauseingängen und feiern mit dem besten Eichenwein, den sie aus dem Wohnungskeller hervorbringen können. Hier wird auch gern mal auf die Überstumpfwinkeltasse verzichtet, wenn es an edle Tropfen geht, zu groß ist die Freude, zu hoch die Erwartung an die kommende Zeit. Seit nun mehr als 5 Stunden wird hier Durchgefeiert, denn die Zukunft, so heißt es, sei endlich wieder auf dem Weg in trockene Tücher.

Die Karpatischen spontanfeste, sind auf ganz Ultos berüchtigt, können doch meine Worte gerade so an der Oberfläche dessen kratzen, was hier an Emotionen und teilweise auch Visionen zwischen den Menschen auf den Straßen geteilt wird. Das Wetter lacht mit den Triumphanten, die sich seit einem Jahr gefangenschaft im Gularsk-eigenem politischem Exil endlich wieder trauen, von der Freiheit zu träumen.

Längst ist klar: Der Direktor Alfons Gularsk hat im vergangenen Jahr schwere politische und propagandistische Fehler begangen, der Austritt aus der ITUF mag die erste Entscheidung gewesen sein, die entgegen der Volksinteressen gefällt wurde und die die Ära einer nicht nur antidemokratischen, sondern auch antihumanistischen Doktrin einläutete. Denn wenngleich der Austritt aus der ITUF international für Aufsehen gesorgt hat, waren doch die Leidtragenden in erster Instanz die eigenen Bürger des Staatenbundes. Ein Gastwirt vertraut mir im Gespräch an, dass er schon kurz vor dem Abgrund stand. Auf dem Dach seines leeren Hotels habe er oft genug gestanden, Sol entgegengeblickt und oft mit dem Gedanken gespielt, sich in den Tod zu stürzen. Seit dem Austritt aus der ITUF und der damit einhergegangenen Drohung eines nuklearen Erstschlags seien etliche Reisewarnungen verhängt worden, die Tourismusbranche, eine der Haupteinnahmequellen der Nation, stand vor dem Aus. Da halfen auch die mühseligen staatlichen Versuche nicht, Subventionen und Ersatzleistungen anzubieten, die hauptsächlich vom inzwischen bröckelndem Asgarden-Pakt ins Leben gerufen wurde. Zu Groß sei die Herausforderung gewesen und zu klein das Budget für einen langfristigen Erhalt des Lebensstandarts.

Nach einem Jahr der Abgeschiedenheit lässt sich bereits erahnen, dass der Geldhahn bald auf ein Minimum zugedreht würde, bis er letzten Endes ganzversiege. Nur durch einen fairen und schnell abgewickelten Beitritt zur ITUF besteht überhaupt die Chance, dass die Reisewarnungen stufenweise zurückgebaut würden, und die Tourismusbranche wieder neues Leben erfahren könnte. „Wenn jetzt sofort gehandelt wird“ heißt es von allen Seiten, „dann können wir es schaffen!“

In der hoffnungsvollen Erwartung schwelgt aber auch eine gute Portion Zweifel, es ist kein Geheimnis und niemand könnte es verbergen, dass unter denen, die hier auf der Straße ausgelassen feiern, auch viele eine Abrissparty sehen. Alles oder nichts. Entweder gelingt der Aufsprung zur ITUF, oder es gibt kein Entkommen mehr, vor der zwangsläufig eintretenden Massenarmut, die den halben Kontinenten heimzusuchen droht.

Kjamon als Überbringer eines demokratischen Gedankens?

Wer sich mit der karpatischen Geschichte, besonders mit der Geschichte der Ruhmreichen Königreiche im karpatischen Seeraum, auskennt, der weiß, dass in vielen der heutigen Monarchien und Autokratien, ein traditionelles, antidemokratisches Gedankengut die politische Philosophie stark beeinflusst. Wie passen die freiheitlichen und humanistischen Ideale des Kjamon auf die Mentalität der Karpaten? Aus Gesprächen mit der Bevölkerung geht hervor, die Ideale des Kjamon werden meist gar nicht beachtet. Kjamon wird ungeachtet seiner demokratischen Ideen und Ansätze als Held gefeiert und hoch in Ehren gehalten. Ein Autokrat, der diese Bezeichnung nie für sich annehmen wollte hat nun die alleinige Regierungsmacht über immerhin 7 einst souveräne Staaten. Allesamt Staaten, die obgleich ihrer unterschiedlicher Regierungs- und Staatsform die Gemeinsamkeit teilen, dass sie mit Stolz auf ihre Historie und ihre daraus erwachsenen Ideale zurückblickt. Das für sie moderne und nicht ausgereifte Modell der Demokratie lehnen sie ab, akzeptieren sie aber als eine liebreizende Macke des Kjamon, die ihm seinen diktatorischen Wiedererkennungswert gibt. Herbert Ludwig Bern-Sandmeier hat gelispelt, Alfons Gularsk mochte keine Pellkartoffel und Emanuel Kjamon träumt von einer Welt, in der es auch ohne ihn funktioniere. Nach dieser Betrachtungsweise ist kaum eine öffentliche Wahrnehmung auf die Agenda Kjamon wahrzunehmen:

Die Menschen auf der Straße feiern nicht, weil ihnen die Demokratie und ein funktionierender Rechtsstaat bevorsteht. Sie feiern, weil sie endlich wieder die Hoffnung verspüren, in Würde leben zu können. Das demokratische Lebensgefühl ist in den Gemütern des SKS noch längst nicht verwurzelt – Ein Problem mit dem sich Kjamon, aber auch die ITUF auseinandersetzen muss. Absehbar ist: ohne demokratische Grundstrukturen wird ein Aufnahmeantrag höchstwahrscheinlich abgelehnt. Sicher ist jedoch auch, dass die Beziehung zwischen SKS und ITUF nach wie vor kompliziert ist. Die Annäherung zur ITUF mag ein großer Schritt sein, aber noch kein Akt derentgültigen Versöhnung. Kjamon darf nicht dieselben Fehler wie Gularsk begehen und dem Volk, das ihm nun untersteht eine Politik aufdrücken, die nicht mit den Idealen der Mehrheit übereinstimmt. Es ist Verhandlungsgeschick von beiden Seiten gefordert und zudem wohl auch eine der größten Portionen Glück, die man nur auftreiben kann.

SKS will geschlossenen Antrag zur Wiederaufnahme in die ITUF einreichen.

Tranceheaven. Heute Morgen, kurz vor 53, erreicht die Redaktion des Norsbroker Nystabladen eine bahnbrechende Pressemitteilung aus dem Regierungssitz der Trance Nation und dem Hauptsitz des Staatenbundes karpatischer Staaten. Unterzeichnet nicht etwa wie gewohnt durch den fragwürdigen selbsternannten Direktor Alfons Gularsk sondern durch keinen geringeren als Emanuel Kjamon. Dieser gibt bekannt, dass er mit sofortiger Wirkung und dem Beginn des heutigen Tages Aufnahmeverhandlungen mit dem neu gewählten ITUF-Generalsekretär Egor Darkin aufnehmen werde, um den Wiedereintritt des SKS in die ITUF zu beschließen.

In der Erklärung heißt es wörtlich:

Wir, die souveränen Staaten des Staatenbundes karpatischer Staaten (im Folgenden als SKS) unter Anleitung der souveränen Trance Nation, beantragen hiermit die Wiederaufnahme in die ITUF. Dies geschieht ausdrücklich nach geltender Rechtsgrundlage der gesetzten Verfassung des SKS, nach welcher Bündnispolitische Beschlüsse nur unter Einvernehmen des aktuell ranghöchsten amtierenden politischen Funktionärs des Bundes genehmigt und durchgeführt werden dürfen. In Vertretung des Staatenbundes karpatischer Staaten steht Emanuel Kjamon.

Wie auf Nachfrage des NN bekannt gegeben wurde, habe Alfons Gularsk gestern Abend seinen jährlichen Winterurlaub nach Nörgelstan angetreten. Aufgrund der wirren Verfassungskonstruktion des Staatenbundes und der Trance Nation selbst, entbindet ein solcher Urlaub den Direktor nicht nur von seinen politischen Pflichten, sondern auch von seinem Amt als solches. Dadurch wurde Emanuel Kjamon, sein Stellvertreter, zur höchsten politischen Instanz des kontinentalen Bündnisses. Kjamon hatte zuletzt durch seine ITUF-offene Politik auf sich aufmerksam gemacht. Bereits im letzten Jahr gelang es ihm, den ersten Bündnispartner des SKS, die heilige Küste, wieder in die ITUF zu integrieren. Ein gutes halbes Jahr später sollen nun die Verhandlungen für die restlichen Staaten folgen. Bereits der Wiedereintritt der Heiligen Küste sorgte in Tranceheaven für Aufruhr, gab es zwar kein offizielles Statement von Gularsk gegenüber den Medien, wurde dennoch bekannt, dass die Beziehung zwischen Kjamon und Gularsk seitdem auf einer harten Probe steht. Emanuel Kjamon setzt mit dieser Entscheidung seine gesamte politische Laufbahn, wenn nicht gar sein eigenes Leben aufs Spiel.

„Wir müssen nun den Schutt des letzten Jahres in zwei knappen Wochen aufkehren“

Auf der anschließenden Pressekonferenz gibt sich Kjamon als Held. Stolz betritt er das Rednerpult, mit einem siegessicheren und sorgefreien Lachen öffnet er sich den Journalisten und hält eine viertrige Ansprache über die Zukunft der Nationen und dem Niedergang einer fehlgeleiteten Doktrin Gularsk. „Die ITUF ist der einzige Weg, der in turbulenten Zeiten wie den heutigen überhaupt eine Möglichkeit für einen stabilen Kurs bietet.“ Deklariert er. Gularsk habe zunehmend politisch-destruktive Motive vertreten, und damit dem Ruf und Ruhm des Staatenbundes massivem Schaden zugefügt: „Die Kritik, die häufiger aus dem IADN-Spektrum, allen voran Allmeeren und FRNX, erfolgt ist nicht unberechtigt. Denn wir haben unter der Leitung Gularsk gravierende Fehlentscheidungen erduldet und müssen nun den Schutt des letzten Jahres in zwei knappen Wochen versuchen aufzukehren“ Denn der Urlaub von Gularsk sei auf zwei Wochen angesetzt. Unabhängig davon, wo Gularsk seinen Urlaub verbringt, per Verfassung ist er in den kommenden zwei Wochen politisch und juristisch so machtlos wie ein Zivilist in der Trance Nation.

Politikwissenschaftler Prof. Dr. Olaf Dreger kommentiert gegenüber dem NN: „Dieser politische Aktionismus ist bisher Beispiellos in der karpatischen Geschichte. Über all die Jahrhunderte hat es unzählbare gewaltsame Intrigen und Putschversuche gegeben. Was Emanuel Kjamon hier liefert ist der erste zivile Putsch seit Jahrhunderten, wenn nicht gleich der erste seiner Art! Dieser Putsch kann aber nur dann erfolgreich sein, wenn Kjamon das Potenzial der fehlkonstruierten Verfassung komplett ausnutzt. Als Zivilist in der eigenen Diktatur kann man Gularsk auch juristisch Belangen und ihn vor ein Gericht laden. Als Direktor kann er per Verfassung keine Straftaten begehen, als Zivilist hingegen würde ihm selbst ein Hochverratsprozess bevorstehen. Es gilt nun abzuwarten, wie Kjamon verfahren wird.“

Indess werden in Skythea zurzeit alle Räder in Bewegung gesetzt und sogleich wird der neue Generalsekretär Egor Darkin bereits zu Beginn seiner Amtszeit mit einer globalpolitisch ausgesprochen heiklen Aufgabe konfrontiert. Denn klar ist: Ein Aufnahmeantrag des SKS in die ITUF wird nicht von allen Mitgliedern des Sicherheitsrates bedingungslos akzeptiert werden. Sind doch gerade die Hardliner der IADN starke Verfechter der Idee gewesen, den SKS-Wiedereintritt so kompliziert wie möglich zu gestalten. Sollte es Darkin gelingen, den SKS in einem geschickten Kompromiss wieder in die ITUF einzugliedern, dann hat er bereits im ersten Amtsmonat mehr erreicht als sein Vorgänger Norman Dinavier in einer gesamten Legislaturperiode – besser noch, er würde den Spieß umdrehen: Während Dinavier Urlaub machte und Gularsk seinen radikalen ITUF-Austritt nach vernachlässigbaren Provokationen bekündete, könnte Darkin der sein, der den ITUF-Austritt revidiert, während Gularsk im Urlaub ist.

Egor Darkin muss von Anfang an Krisenmanagement höchster Güte darbringen – Ohne Fehlversuche

Im Moment ist das jedoch noch eine nahezu unglaubliche Zukunftsmusik. Denn der Schuh drückt nicht nur in den Karpaten, sondern auch in Davien, wo sich die Machtansprüche der Demokratischen Volksrepublik Diktatistan unaufhörlich verschieben. Egor Darkin muss von Beginn seiner Legislatur an Krisenmanagement höchster Güte darbringen – und hat dabei keinen einzigen Fehlversuch. Wenn er dem SKS zu sehr entgegen kommt, besteht die Gefahr, dass Gularsk mit Amtsübernahme die Situation ausnutzt um seine politische Destruktive fortzuführen. Baut Darkin zu viel Druck auf Kjamon auf, kann es sein, dass er zurückrudert und damit die letzte momentane Hoffnung für den Wiedereintritt des SKS erlischt. Kjamon macht in seiner Erklärung deutlich, dass er kooperationsbereit und offen in die Verhandlungen mit Darkin gehen möchte. Der Beitritt in die ITUF werde einer der frühen Höhepunkte des neuen Kalenderjahres. Allerdings heißt es auch in der Erklärung, dass die ITUF nach wie vor eine globalpolitische Kontrollinstanz sei, aber keine exekutive, judikative oder legislative Gewalt souveräner Staaten beeinflussen dürfe. Man lehne deshalb ITUF-Gesuchen einer Fahndung, wie etwa nach Gularsk oder Franz Mann, grundsätzlich ab: „Eine solche Maßnahme kann und darf nur durch die obersten Gerichtshöfe des SKS entschieden werden.“ Folglich ist nicht ausgeschlossen, dass Gularsk vor Gericht aussagen muss – doch erfolgt dies nicht unter Einflussnahme der ITUF.