Meç

Einordnung

Das Meç ist die Amtssprache der Heiligen Küste. Es gehört zu den südjennischen Sprachen (wie auch das Jennitische), einem Zweig der jennischen Sprachfamilie (zu der auch Tegrisch gehört). Die jennischen Sprachen wiederum sind ein Zweig der westkarpatischen Sprachfamilie, der auch das Paramurische angehört.

Es ist bis zu einem gewissen Grad mit dem Jennitischen wechselseitig verständlich. Auch wenn das Meç dem Jennitischen näher verwandt ist, weist es einen starken nordjennischen Einfluss auf, der durch ein Tegrisches Superstrat entstanden ist. Dies zeigt sich vor allen Dingen im Vokabular, zum Teil auch in der Aussprache (Nasalierung nach /m/ und /n/).

Lautlehre

Buchstabe IPA
a [a]
ay [aj] vor Vokal, [ɛ:] sonst
ç im Norden [x]; im Süden [ç]
e [ɛ]
é [ɛ:]
ĕ im Norden [ɐ]; im Süden [ə]
ĕy [ɐj] bzw. [əj] vor Vokal, [i:] sonst
h [h]
i [i]
í [i:] (sekundär!!)
k [k]
kk im Norden [kʲ], im Süden [k͡s]
l [l]
ll [lʲ]
m [m]
n [n]
o [ɔ]
ou [ɔ͡ʊ]
p [p]
pp [pʲ]
r [r]
s [s]
t [t]
tt [t͡ɕ]
v [v] vor Vokalen, sonst [f]
y [j]

Nach /m/ und /n/ folgende Vokale werden nasaliert.

In manchen Fällen wird der Buchstabe <’> nach einem Vokal verwendet, um zu kennzeichnen, dass dieser betont wird.

Einige Vokale können gedehnt werden, dies hat v.a. grammatische Funktion. Hier eine Übersicht über den Vokalwandel:

Laut Wird zu
ĕ a
e é
i í
o ou

 

Grammatik

Substantive

Es gibt weder Artikel noch Genera. Der Plural wird durch die Dehnung des letzten Stammvokals gebildet. Betont wird in der Regel dieser, Ausnahmen gibt es aber auch.

Beispiel:

tolo’ – das Haus Singular Plural
Nominativ tolo’* tolou
Genitiv tolok tolouk
Lokativ toloç tolouç
Negativ tolott toloutt
Vokativ tolot tolout

* Enden Substantive auf einen betonten, kurzen Vokal, muss ein <’> nachgestellt werden

Endet der Stamm des Wortes auf einen Konsonanten, fügt man ein –ĕ- vor der Endung ein: „çam“ –„der Vater“ – „çamĕk“ – „des Vaters“.

Kann der Stammvokal eines Wortes nicht gedehnt werden, setzt man die Partikel „va“ davor: „çam“ – der Vater – „va çam“ – „die Väter“. [Entlehnung aus dem Tegrischen]

Ein adjektivisches Demonstrativpronomen existiert nicht. Man drückt Konstruktionen wie „dieser“ durch die Nachsilbe –m (-ĕm nach Konsonant) aus, welche hinter der Kasus-Endung steht: „tolo-m“  „dieses Haus“ – „tolo-k-ĕm“ – „dieses Hauses“.

Pronomen

  Nominativ Genitiv Lokativ Negativ
Sg1 kel lĕç lĕtt
Sg2 ket tĕç tĕtt
Sg3 ken nĕç nĕtt
Sg4 kep pĕç pĕtt
Pl1 la kal laç latt
Pl2 ta kat taç tatt
Pl3 kĕy yĕç yĕtt
Pl4 pa pan paç patt
Demonstrativ mi kĕm miç mitt
Relativ yau yauk ya yautt
Interrogativ re ker reç rett
Alle/Jeder tau tauk ta tautt
Niemand lli llik lliç llitt

Adjektive

Adjektive sind unveränderlich. Es herrscht also keinerlei Kongruenz zum Nomen. Zur Steigerung werden Komparationspartikeln nachgestellt.

Stufe Partikel Beispiel
Positiv tolo’ pouy – das große Haus
Komparativ tta tolo’ pouy tta– das größere Haus
Superlativ kkoum tolo’ pouy kkoum – das größte Haus
Elativ tolo’ pouy ní– das sehr große Haus

 

„Tés-ĕm pouy tta tolo’“ – „Dieser Baum ist größer als ein Haus“.

„Tés-ĕm pouy ní tolo’“ – „Dieser Baum ist so groß wie ein Haus“.

Verben

Verben kongruieren mit dem Subjekt nach Person (durch Endungen) und Numerus (durch Dehnung). Es werden drei Tempora gekennzeichnet: Präsens, Präteritum und Vorzeitigkeit. Letzteres Tempus Vorzeitigkeit in Nebensätzen verdeutlicht (während Gleichzeitigkeit durch die Weiterverwendung des Tempus des Hauptsatzes ausgedrückt wird). Es gibt zwei Modi, den Imperativ (durch ein Infix gekennzeichnet) und den Konjunktiv (durch eine Vorsilbe). Durch eine Vorsilbe kann das Passiv ausgedrückt werden.

Eine Besonderheit des Meç (und der Westkarpatischen Sprachen im Allgemeinen) ist die vierte Person: Sie drückt das Wort „jemand“ aus.

Konjugation im Präsens

Die Kongruenz mit der Person des Subjekts wird durch Suffixe ausgedrückt, wobei die dritte Person kein Suffix erhält. Der Plural wird durch die Dehnung des ersten Stammvokals gekennzeichnet. Die Betonung liegt durchweg auf der ersten Silbe.

„tolo-“ – errichten Singular Plural
1 tolo-l toulo-l
2 tolo-t toulo-t
3 tolo toulo
4 tolo-p toulo-p

 

Konjugation im Präteritum

Das Präteritum wird dadurch ausgedrückt, dass andere Suffixe für die Personen verwendet werden. Für den Plural wird der erste Stammvokal, auf der durchweg die Betonung liegt, gedehnt.

Singular Plural
1 tolo-ç toulo-ç
2 tolo-v toulo-v
3 tolo-y toulo-y
4 tolo-s toulo-s

 

Lange Stammsilben

Bei Verben, bei denen der Stammvokal nicht gedehnt werden kann, erfolgt keine Dehnung im Plural. Stattdessen wird die erste Silbe dupliziert (wobei ou durch o, é durch e und í durch i ersetzt wird):

ra-l

ich gehe hin, komme an

rara-l

wir gehen hin, kommen an

ra-ç

ich ging hin, kam an

rara-ç

wir gingen hin, kamen an

 

Anderes Beispiel:

koumĕ-l

ich schenke

ko-koumĕ-l

wir schenken

koumĕ-ç

ich schenkte

ko-koumĕ-ç

wir schenkten

 

Vorzeitigkeit

Zur Bildung der Vorzeitigkeit wird ein –kk- vorm letzten Stammvokal eingefügt. Das Suffix –kkĕ (für den Plural tritt die Dehnung auf dem Suffix auf: –kka-) wird verwendet wenn a) das Verb einsilbig ist oder b) zwischen erstem und zweitem Stammvokal mehr als ein Konsonant steht.

Es werden die Personalendungen des Präsens angehangen.

Mit –kk- Singular Plural
1 tolkko-l toulkko-l
2 tolkko-t toulkko-t
3 tolkko toulkko
4 tolkko-p toulkko-p

 

Mit –kkĕ-/-kka- Singular Plural
1 rakkĕ-l rakka-l
2 rakkĕ-t rakka-t
3 rakkĕ rakka
4 rakkĕ-p rakka-p

 

Passiv

Zur Bildung des Passivs setzt man die Vorsilbe çe- [Kürzung unter Tegrischem Einfluss] vor den Stamm. Dabei können Veränderungen am anlautenden Konsonanten des Stammes auftreten:

Laut Wird zu
kk k
ll l
pp p
tt t

 

Beispiel: „ttĕvĕ“ – „er isst“ wird zu „hjetĕvĕ“ – „es wird gegessen“.

Konjunktiv

Der Konjunktiv wird durch die Vorsilbe „ppe-“ ausgedrückt: „ppetolol“ – „ich würde errichten“; „ppetoloç“ – „ich hätte errichtet“, „ppeçetolo“ – „es würde errichtet“ werden usw.

Imperativ

Der Imperativ wird gebildet, indem ein –y- in den ersten Stammvokal eingefügt wird: „tolo-“ wird zu „toyolo“ (betont wird der Vokal vor dem –y-). Die Dehnung des Plurals erfolgt am ersten Vokal. Der Imperativ kann auch konjugiert werden, wobei dann die Jussiv- und Hortativformen entstehen.

In der zweiten Person erscheint keine Endung, und der letzte Vokal wird elidiert. Dafür erhält die dritte Person im Imperativ (hier = Jussiv) die Endung –n.

Singular Plural
1 touyolo-l (z.T. auch ohne Dehnung: toyolul“

Lasst uns errichten!

2 toyol

Errichte!

touyol

Errichtet!

3 toyolo-n

Er/sie/es möge errichten!

touyolo-n

Sie mögen errichten!

4 toyolo-p

Jemand möge errichten!

touyolo-p

Jemand (Pl) möge errichten!

 

Verbalsubstantiv

Das Verbalsubstantiv bezeichnet ein übliches direktes Objekt einer Handlung, manchmal die Handlung selbst. Es wird gebildet, indem der endungslose Stamm endbetont wird.

Beispiel:

  • tolo- (Stamm, anfangsbetont) „bauen“ ; tolo (Verbalsubstantiv, endbetont) – „das Errichtete, Haus“
  • ttĕvĕ- (Stamm, anfangsbetont) „essen“; ttĕvĕ (Verbalsubstantiv, endbetont) – „das Essen“

Bei drei- und mehrsilbigen Wörtern fällt der letzte Vokal jedoch aus; betont wird dann entsprechend der Vorletzte.

katolo (Stamm, anfangsbetont) „wiederherstellen, reparieren“; katol (Verbalsubstantiv, endbetont, Elision des letzten Vokals) – „die Heilung“.

Syntax

Nominalphrase

  1. Pluralmarker va
  2. Kopf
  3. Postpositionen
  4. Adjektive
  5. Postpositionen

Ob Postpositionen die dritte oder die fünfte Position einnehmen, muss gelernt werden.

Beispiel:

„(2) tés (3) ttu (4) pouy ní“ – „Zum sehr großen Baum“

„(1) va (2) tés (4) pouy ní (5) ke“ – „Bei den sehr großen Bäumen“

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