Die Globale Balmanisierung

Ein Gastbeitrag von Syńa Qydama

Mynna, 12.09.2519. Fast zwei Jahre ist es jetzt her, dass der provisorische DVD-Regulator Adam Aarherz die vollständige Abschaffung des eigenen Nuklearwaffenarsenals beschlossen hat. Damit verlor der BAMBU seine letzte Atommacht – und ebenfalls das letzte Druckmittel im internationalen Dialog. Hoch anzurechnen ist Aarherz diese Entscheidung zweifelsohne, doch welche Konsequenzen zieht dieser Rückzug nach sich?

Innenpolitisch wurde Aarherz heftig für die Entscheidung kritisiert. Man überlasse der IADN kampflos das Feld, argumentierten seine Kritiker; der von Aarherz gemutmaßte Rückzug der assoziierten Staaten als Gegenzug der neuen Bamberger Außenpolitik sei Wunschdenken. Tatsächlich, so scheint es heute, sollten seine Kritiker Recht behalten: Der STAVA, seiner Zeit als neutrales Bündnis auch von BAMBU-Stimmen in die ITUF integriert, ist mittlerweile mit der IADN synonym; exemplarisch genannt seien die Beziehungen zwischen Nordakronor und Diktatistan, welche sich seit dem IADN-Beitritt der VSN konstant verschlechtert haben. Nichtsdestoweniger, so argumentiert man im Staatenverbund, sei die wirtschaftliche Lage und die außenpolitische Stabilität besser denn je – hier bereut man in keinster Weise den Schulterschluss mit der Allianz.

Handelt es sich bei der IADN tatsächlich um die Inkarnation des Guten; den ultimativen Heilsbringer für alle Staaten der Welt? Mitnichten. Was wir erleben ist viel mehr eine „Balmanisierung“ ganzer Kontinente, welche die politischen Führer von IADN und FRNX wie seit jeher mit reinstem Gewissen vollziehen. Was ebendiese dabei aus dem Auge verlieren ist die offenkundige Tatsache, dass infolge der Verweigerung des BAMBU, jede Art von außenpolitischer Verantwortung zu übernehmen, derartige imperialistische Bestrebungen vollständig obsolet geworden sind. Dass die IADN zwar symbolhaft Staaten wie das Kingdom of Desire aus der Allianz entlässt, andererseits ihr Nuklearwaffenarsenal auf einem nicht gerade geringen Niveau konstant hält oder sogar ausbaut, zeigt, worum es dieser Allianz tatsächlich geht: Es soll rund um den Globus so lange balmanisiert werden, bis alle Staaten gleich abhängig von Balmanien sind, sodass man endlich wieder Neokolonialismus der Ära Bertelsmann beitreiben kann – das Ziel ist also, wenn man so will, eine zweite Ära der Balmanischen Globaldominanz durch die Hintertür.

Der Zeitpunkt, zu dem man weiter an Köh und Lenskø appellieren könne, sie mögen anstatt ihrer neoimperialistischen Außenpolitik lieber neutrale Bündnisse vor Ort unterstützen, ist bedauerlicherweise vorüber. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt braucht es bereits ein Druckmittel, um der sich wie eine Spinne um den Globus windenden Organisation Paroli bieten zu können. Dieses machtpolitische Vakuum, welches Aarherz und Furyatan hinterlassen haben, aufzufüllen, ist nun die dringlichste Aufgabe aller am Weltfrieden interessierten Republiken.

Ungeachtet der innenpolitischen Voraussetzungen haben drei Blöcke aktuell das Potential, die Nachfolge des BAMBU als globalpolitische Macht anzutreten. Zweifelsohne machtpolitische Ambitionen hegt das Kartell aus der Triade der Militärmächte Tegrim, VSN und Allmeeren. Dass diese Gruppe in der Lage ist, binnen kürzester Zeit aus dem Nichts eine militärische Schlagkraft die ihresgleichen sucht aus dem Boden zu stampfen, wurde im Rahmen des Militärstützpunktes in Tegrim inklusive des anschließenden Einweihungsmanövers der gesamten Welt anschaulich demonstriert – sehr zum Ärgernis der FRNX-Führung. Zum nächsten wäre das bangabandhische Kartell aus Unionsrepublik, Ehrbaren und ggf. sogar Assasam und Gonshu in der Lage, gemeinsame Außenpolitik zu betreiben – das zugegebenermaßen aktuell in weiter Ferne befindliche Ende der bewaffneten Konflikte vorausgesetzt. Und nicht zuletzt, eine gegenwärtig wenig diskutierte, aber dennoch nicht abwegig erscheinende „Koalition der Neutralen“, unter der Torassia, Paramur und ggf. sogar Kanabien selbst eine nie dagewesene, militärische Allianz formieren könnten.

Zweifellos sind derartige geostrategische Überlegungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt höchst spekulativ und entbehren jeder faktischen Grundlage. Nichtsdestoweniger halte ich es für wesentlich, bereits jetzt derartige Dialoge zu führen, um die ohnehin schon vorhandene globale Übermacht der IADN in ihre Schranken zu verweisen.

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Hochzeit in Yantan – Morian IV. heiratet taurische Prinzessin Talinde

https://ultos.files.wordpress.com/2019/03/ft-200.jpgGermansk, 17. Vortin 2519 (08.09. GZR) Am Wochenende heiratete König Morian IV. von Yantan in Germansk die taurische Prinzessin Talinde, jüngste Tochter von König Tauron III. (Königreich Taurien). Das Königreich Taurien liegt südlich der Kristallbaronie Anders und Rosenstiel am Golf von Skythea.

Seit der Eheschließung wohnt und arbeitet das Königspaar im Wald-Palast nordwestlich von Germansk, einem ehemaligen Jagdschloss, das dem jung vermählten Ehepaar vom yantanischen Parlament zugewiesen worden war. Morian und Talinde verzichten darauf, in den gartenlosen und unwohnlichen Königspalast in der Innenstadt von Germansk umzuziehen, der jedoch weiterhin für Repräsentationszwecke genutzt wird und als Sitz der Hofbehörden dient. Daneben bewohnen sie noch einen Sommersitz in Namenhoegk (Königreich Taurien).

Talinde trägt seit ihrer Eheschließung den Titel Königin von Yantan, Edle von Golgathan. Dem Vernehmen nach ist die junge Königin im dritten Monat schwanger und ganz Yantan schaut gespannt auf den Wald-Palast, in freudiger Erwartung auf den Thronfolger oder die Thronfolgerin.

Die Flitterwochen verbringt das Paar gut informierten Kreisen zufolge in Amranien (UAF). Morian will seiner Frau dann die Stätten seiner Kindheit und Jugend zeigen; dort hatte das yantanische Königshaus während der Militärdiktatur im Exil gelebt.

Troll von Eggebert-Seelmann, Feanaro Times

Neue Hoffnung für Gertanesien

Gulm, 2.9.2519. In der dreigeteilten Hauptstadt des von FRNX, DVD und Kanabien verwalteten Gertanesiens treten in wenigen Wochen Präsident Hahn und Regulator Aarherz zum Gipfel der Geilheit 2519 (GdG19) zusammen. Doch erstmals wird mit dem Gastgeberland Kanabien noch ein dritter Partner am Verhandlungstisch anwesend sein; damit treten erstmals seit vielen Jahren die Staatsoberhäupter aller drei Besatzungsmächte des im Herzstück Balmaniens gelegenen Staates zusammen. Ziel der Verhandlungen ist, das diesmal so unverblümt wie noch nie zuvor auch ausgesprochen wird, die Wiedervereinigung der drei Zonen zu einem einzigen, selbstständigen und von der internationalen Staatengemeinschaft anerkannten Staates in die Wege zu leiten.

Zuletzt war die Wiedervereinigung Gertanesiens Diskussionsgegenstand auf dem „Gipfel der Geilheit“ zwischen Föderaler Republik und Demokratischer Volksrepublik Anfang 2517 (NN26). Die Staatsoberhäupter Hahn und Aarherz einigten sich dabei auf die Einberufung einer Expertenkommission, die schon im selben Frühjahr „erste Pläne für gemeinsame Projekte“ vorlegen sollte. Tatsächlich wurde daraus bekanntermaßen nichts, in Anbetracht des durch zahlreiche Krisen wie in Tegrim und Paramur, Beterbeuy, Akronor und zuletzt auch in Feanaro bedingt stockenden Annäherungskurses auch nicht weiter verwunderlich.

Umso interessanter ist, dass – wohl maßgeblich auf Initiative der FRNX, so urteilen Beobachter – nun die Bereitschaft zurückkehrt, mit der DVD an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Weniger bürokratisch, weniger zäh, aber dafür umso pragmatischer sollen die zukünftigen Verhandlungen geführt werden. Erklärtes Ziel der Verhandlungen sind zunächst Wahlen für eine verfassungsgebende Versammlung in allen drei Besatzungszonen bis Ende des Jahres sowie die Festlegung eines Termins zur vorgezogenen Öffnung der innergertanesischen Grenzen für den Personen- und Warenverkehr.

Welchen Rahmen die neuen Verhandlungen zudem für die langfristige Außenpolitik Gertanesiens legen werden, ist in einem gewissen Rahmen bereits heute absehbar: Weder DVD noch das militärisch neutrale Kanabien werden einen von der FRNX gern gesehenen IADN-Beitritt des vereinigten Gertanesiens dulden, sodass man sich auf eine auf vermutlich mindestens 10 Jahre befristete Blockfreiheit für den neuen Staat einigen wird. Nichtsdestoweniger werden FRNX und auch Kanabien ihr bestes tun, Gertanesien bestmöglich in den balmanischen Binnenmarkt zu integrieren; tiefgreifende Freihandelsabkommen und mutmaßlich auch eine Integration in den Balmanischen Bund (BB) werden die Folge sein.

In jedem Fall ist die Wiederbelebung der Gespräche in jedem Fall zu begrüßen und wird neue Chancen zur Entwicklung des gesamten balmanischen Kontinentes öffnen. Doch nicht nur das: Der mit solchen Verhandlungen einhergehende, gegenseitige Vertrauensvorschuss könnte auch die Grundlage für eine weitere Annäherung von FRNX und DVD und damit IADN und BAMBU sein – ein zweifelsohne großer Schritt zum Weltfrieden.

Waldemar Petersen

Parlamentswahlen in Dianien: „Schandwahl“

Bereits vor sechs Wochen wurden die verschobenen Wahlen der Zentral- und Teilparlamente in Dianien durchgeführt, erst jetzt steht das Ergebnis fest. Der Leiter der Zentrallstelle für Wahlüberwachung bezeichnete die Wahl als „Schande für Dianien“.

Terrorgefahr

Am 9. Juli gab Westo Tallmann, der Leiter der Zentralstelle für Wahlüberwachung, die Verschiebung der Wahl vom 13. auf den 20. Juli bekannt. Grund dafür seien Sicherheitsbedenken im Osten der dianischen Zentralrepublik. Die Terrorgruppe Dianian Untial ( deu. dianischer Mord) hatte mehrere Anschläge im östlichsten Teilstaat Nieed angekündigt. Bei einer Durchsuchung eines Gebäudes, welches sich laut Behörden im Besitz der Terrorgruppe DU befand, wurden mehrere Bris Munition und knapp 1000 Wahlzettel gefunden. Die Wahlzettel wären jedoch eindeutig als Fälschungen aufgefallen, trotzdem ließ man die Wahl, auch aufgrund von Sicherheitsbedenken, verschieben. Die DU steht im Verdacht, die Geiselnahme auf den Flughafen in Bradas durchgeführt haben.

Krisenregion Ostnieed

Im äußersten Osten, insbesondere in den Bezirken Torras und Ersttorras brodelt es schon länger. Über 50% der Bevölkerung sprechen Torassisch, ein Überbleibsel des Fürstentums Utahn, welches 1990 nach dem dianischen Krieg aufgelöst wurde und wesentlich mehr Gemeinsamkeiten mit den rythanischen Staaten teilte als es die dianische Zentralrepublik tut. Ein Zugehörigkeitsgefühl zur dianischen Zentralrepublik fehlt in den beiden Bezirken komplett, eine Abspaltung von der dianischen Zentralrepublik, die Neugrüdnung des Fürstentums Utahn, ein Anschluss an Torassia werden immer wieder gesellschaftlich als „Flucht vor der DZR“ diskutiert, sind politisch aber bedeutungslose Optionen.
Die DU findet hier fruchtbaren Boden, die Sicherheitsmaßnahmen vor den Wahllokalen wurden insbesondere in diesen Regionen verstärkt.

Das Ergebnis rückt in den Hintergrund

Angesichts dieser Probleme und der sechswöchigen Ergebnisprüfung rückt die Bedeutung des Wahlergebnisses in den Hintergrund. Insbesondere die dianischen Bürger in Torras und Ersttorras machen sich große Sorgen um ihre Heimat und ihre Zukunft, auch weil das Problem von der Zentralregierung bisher nicht angegangen wurde, auch die Teilregierung schiebt es lieber unter den Teppich. Die Bezirksmeister der beiden Bezirke erledigen keine Aufgaben, welche nicht unbedingt erledigt werden müssen, sie wirken wie kommisarische Angestellte mit dem Auftrag, bloß alles so zu lassen wie es ist und nur das zu tun, was getan werden muss. In den Bezirken herrscht absoluter Stillstand, das Ergebnis der Wahl ist hier bedeutungslos.

Micael Schiwov kann bleiben

Schiwovs Partei, die Dianisch-Demokratische Volkspartei, kann im Kreisabschnitt, dem Abschnitt des Zentralparlaments, welcher mit Kandidaten aus den 300 Wahlkreisen besetzt wird, mit genug Abgeordneten einziehen, um die absolute Mehrheit zu halten, er erhält mit Teilabschnitt 51,2%.
Der Teilabschnitt besetzt 90 der insgesamt 390 Sitze des Zentralparlaments und setzt sich anteilig so zusammen, wie viele Sitze eine Partei in allen drei Teilstaaten erhalten hat.
Während die DDVP ihr Ergebnis auf Zentralebene halten kann, muss sie in den Teilstaaten bittere Verluste einstecken. In Vaal fiel Schiwovs Partei auf einen historischen Tiefswert von 16,7%. Bisher regierte die DDVP hier gemeinsam mit der GP, diese konnte sich die absolute Mehrheit in Vaal sichern und regiert den Teilstaaten zukünftig allein. In Ricii jedoch, einer klassischen Hochburg der Gelben Partei GP, konnte ihre absolute Mehrheit nicht halten und ist mit 48,7% gezwungen, sich einen Koalitionspartner zu suchen. Die RP kommt in Vaal auf starke 21,4% und könnte ein attraktiven Koalitionspartner für die GP werden.
In Nieed kann die DDVP ihr Ergebnis von 36 Prozent halten, die seit 2516 bestehende Koalition mit der Republikanischen Partei kann weitergehen, auch wenn die RP kleine Verluste in Nieed einstecken muss und mit 22,6% klar hinter der GP liegt.

Veränderungen bleiben aus

Vieles bleibt im politischen Dianien gleich, große Veränderungen wurden nicht eingeläutet, insbesondere auf nationaler Ebene bleibt man Schiwov treu – anders bei der Akronorwahl, bei der die gelbe Partei vor der DDVP lag. Das die DDVP bei der Parlamentswahl trotzdem wieder vor der GP liegt, dürfte besonders mit Micael Schiwovs außenpolitischen Erfolgen zu tun haben. Ein Beitritt zum STAVA, der Akron und der akronoische Zollraum sind Erfolge, welche Schiwov in seiner Amtszeit umsetzen konnte und welche nicht spurlos an der Bevölkerung vorbeigehen könnten.

Umstände schaffen eine „Schandwahl“

So bleibt eine Sache im politischen Dianien besonders: Ruhe. Ganz im Gegensatz zur Situation in Ostdianien, und Dingen wie Terrorgefahr und Wahlbetrug.

Die Umstände dieser Wahl sind einem demokratischem Land wie wir es sind nicht würdig. Es ist eine Schande, was in Torras und Esttorras passiert, diese ganze Wahl und das drumherum sind eine Schande, eine wahre Schandwahl.

– Westo Tallmann, Leiter der Zentralstelle für Wahlüberwachung in einem Interview des Fernsehsenders RRT

Die Gesellschaft ist aufgewühlt, das bestätigt die breite Zustimmung in Sozialen Medien zu Tallmanns Aussage. Politisch ist diese Unruhe noch nicht angekommen, es scheint allerdings nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sie das tut. Man bleibt sorgenvoll und gespannt zurück, nach dieser „Schandwahl“.

Jacky – Episode 3: Wie immer

Im Norsbroker Nystabladen erscheint unregelmäßig eine Episodengeschichte des eintralischen Autoren Saul Wiler. Die Serie »Jacky« erschien erstmals im August 2519. Sie erzählt vom besessenen Mörder Jacques und seinem religiösen Freund Mikael die eine Mordserie zu verantworten haben. Geschickte Spiele mit der Polizei, vielschichtige Hintergründe und riskante Intrigen halten die Leser im Bann.
In der dritten Episode wird Mikael mit dem dritten Mitverschwörer Ferdinand bekannt gemacht. Dieser zeigt ihm die Bürokratie des Mordens.

Mikael öffnete seine Augen und starrte auf den Namen im Telefonbuch, den sein Finger zufällig getroffen hatte. „Gustáph Kring“ las er laut vor. „Der wohnt in der Altstadt.“ Jacques amüsierte sich, als er auf die Adresse sah. „Der könnte glatt ein Nachbar von dir sein!“ rief er. „Kenste den?“ Mikael überlegte kurz. „Ne“ sagte er dann. „Der ist jedenfalls nicht bei mir in der Gemeinde.“ Jacques legte den Kopf schief und überlegte. Dann sagte er: „Schade. Aber naja früher oder später werden wir auch jemanden erledigen müssen, den du kennst.“ Dieses lachen widerte Mikael am meisten an. Wie kann das serienmäßige Ermorden von scheinbar willkürlichen Personen so eine Freude bereiten? Als aporistischer Prediger hat Mikael wenigstens in Theorie viel über den Tod und den Mord als Sünde nachgedacht. Er konnte das Morden dann wenigstens verstehen, wenn ungebändigte Wut einfach keinen Ausweg zu finden scheint, der pure Hass, eine der wenigen Empfindungen, die den Menschen von Apor unterschied, stellt unfassbares an. Aber Jacques scheint die Leute nicht zu hassen.

Mikael wollte sich nicht damit abfinden, dass sein alter Freund Jacques diese Morde aus reiner Freude begeht. Im Studium der aporischen Theologie und in seiner langjährigen Tätigkeit als Priester hat er vieles über Menschen gelernt und eine Art Wissensdurst aufgebaut, was die Grundlage der menschlichen Empfindungen angeht. Bei dem Gedanken daran, Jacques zu erforschen, seine Hintergründe und Motivation endlich zu verstehen, machte sich in ihm ein Kribbeln breit. In diesem Moment fasste Mikael den Entschluss, alles über Jacques rauszufinden, koste es was es wolle! Er musste es ergründen, er ist Menschenforscher, wenn er seinen Freund nicht entschlüsseln kann, dann kann es keiner. Mikael sah Jacques genau in die Augen und fragte dann ruhig, aber entschlossen: „Und wie geht es jetzt weiter?“ Jacques klappte das Telefonbuch wieder zu und begann durch das kleine Büro auf und abzulaufen. „Jetzt“ sagte er dann endlich, „beginnt der eigentliche Spaß.“ In diesem öffnete sich die Tür des Touristenbüros und ein junger, fröhlicher Mann kam herein. Er war ungefähr so groß wie Jacques, vielleicht ein bisschen größer, dennoch merklich kleiner als Mikael. Jacques sah kurz auf und ihm ins Gesicht. „Ferdinand“ sagte er knapp. „Du bist zu früh.“ Ferdinand setzte seine Schirmmütze ab und warf sie lässig auf den Garderobenständer. Dann knöpfte er seinen dünnen Mantel auf. „Ist das der neue?“ Fragte er Jacques und nickte Mikael dabei kurz zu. Jacques grinste „Das ist er! Möge er uns vor Apor seinen Segen aussprechen, was?“ scherzte er. „Sicher wird er das“ sagte er und lächelte seicht. Ferdinand machte auf Mikael einen charismatischen Eindruck. Er sah gepflegt aus und schien immerhin diese Euphorie des Todes mit Jacques nicht zu teilen. Dennoch arbeitete er für ihn und gemessen an dem gegenseitigen Umgang miteinander tat er das wohl schon eine ganze Weile. Ob Jacques ihn auch dazu gezwungen hatte?

Ferdinand besah Jacques eine weile, dann schaute er rüber zum Telefonbuch und dann zu Jacques. „Habt ihr schon jemanden für heute ausgesucht?“ fragte er vorsichtig. Mikael erkannte an seiner Stimme, dass Ferdinand unwohl bei dem Gedanken daran war. Jacques nickte. „Gustáph King heißt der arme Kerl. Schau nach, ob er Familie hat und zeig dem Mikael mal, wie deine Arbeit so funktioniert. Ich hol uns derweil noch einen Eichenkaffee.“ Jacques winkte Ferdinand und Mikael noch zu, dann verließ er das Büro und lief zum Bistro auf der anderen Straßenseite. Auf der Straße winkte er irgendeiner Person zu, Jacques war in Au-Dio ein beliebter Mann.

Ferdinand und Mikael blieben allein im Büro zurück. Eine unangenehme Stille füllte den Raum, Mikael hielt die Arme verschränkt, Ferdinand blickte zu Boden. „Nunja“ sagte er dann endlich, „Es nützt ja nicht viel, komm mal rüber zu mir“ er setzte sich an einen Arbeitsplatz und schaltete den Computer an. Mikael nahm sich einen Stuhl vom Nachbartisch und setzte sich zu Ferdinand. „Schau, als erstes durchsuche ich das gesamte Netz von Au-Dio nach dem zukünftig Toten.“ Erklärte er. »Gustáph Kring« stand im Eingabefeld des Suchfensters, Ferdinand drückte auf bestätigen. Nach ein paar Sekunden erschienen auf dem Bildschirm verschiedene Suchergebnisse. „Diese Ergebnisse“ fuhr Ferdinand fort, „müssen wir nun nach Alter und Relevanz sortieren. Dafür haben wir ein eigenes Computerprogramm es geht ganz einfach, du musst nur hier klicken“ Ferdinand klickte und wartete, bis sich das nächste Fenster öffnete „und dann hier bestätigen.“ Nach der Bestätigung dauerte es wieder wenige Sekunden, bis die selben Ergebnisse der Datenbank neu sortiert waren. „Identische Einträge werden dadurch zusammengeführt und alle Ergebnisse nach vorher definierten Kriterien neu aufgestellt.“ Mikael versuchte ein trockenes Nicken hervorzubringen, Ferdinand ignorierte es und fuhr fort „Nun müssen wir die Ergebnisse nur noch in dieses Kennblatt eintragen“ sagte er, nahm einen Formbogen aus einer Ablage und drückte sie Mikael in die Hand. „So einfach ist das“ beende Ferdinand seinen kurzen Vortrag.

„So einfach ist das also“ sagte Mikael leise zu sich selbst, als er sich das Formblatt durchlas. Genau in dem Moment kam Jacques wieder durch die Tür, in der Hand trug er ein kleines Tablett auf dem drei Kaffeebecher standen. „Na?“ fragte er und sah abwechselnd zu Mikael und Ferdinand, „seid ihr schon durch?“ Mikael reagierte nicht, er war noch immer vertieft in das Kennblatt, dass Ferdinand ihm gereicht hatte. Ferdinand hingegen machte sich bereits eifrig daran, das Kennblatt auszufüllen und Daten zu übertragen. Auch wenn ihm manches unangenehm war: eifrig war er trotz alledem. Als Jacques bemerkte, wie sich Mikaels Stirn faltete, als selbiger noch völlig vertieft das Kennblatt studierte, rief er ihm zu: „Mikael, mach dir nicht zu viel daraus. Für die Bürokratie sind wir gar nicht zuständig, in der Regel übernimmt das Ferdinand. Ich wollte nur, dass du mal seine Arbeit kennenlernst“ Mikael reagierte nicht „Hör mal,“ fuhr Jacques fort, „lies dir das nicht alles durch.“ Dann endlich sah Mikael auf. Er hatte schon wieder dieses Zittern, das er immer dann bekam, wenn er irgendetwas ungeheuerliches erfahren hatte. Obwohl er sich bemühte ernst zu bleiben und er Jacques sehr konzentriert ansah, bebte seine Stimme als er fragte: „Wir bringen die gesamte Familie ums Leben?“ Jacques seufzte „Den ganzen Haushalt“ sagte er dann. „Aber die Haustiere lassen wir meist leben.“ lachte er dann. Jacques war noch nie gut darin gewesen, seine Witze zurückzuhalten. Er klopfte Mikael aufmunternd auf die Schulter. „Du wirst dich daran gewöhnen“ sagte er dann. „Glaub mir.“

In der Ausbildung zum Prediger lernen die Aporisten, sich zu beherrschen wenn sie mit Extremsituationen konfrontiert werden. Man lernt seinen Atem zu kontrollieren und auch seine Gedanken in den Griff zu behalten um nicht aus sich zu fahren. Bei vielen Beichten, die die Gläubigen vor Mikael abgelegt haben war diese Ausbildung von großem Vorteil. Oft erweckte es bei den Beichtenden großes Vertrauen, wenn sie merkten, wie gehalten der Prediger reagiert. Die wichtigste Botschaft des Aporismus lautet „Apor ist Liebe“ und diese Liebe zu allen Menschen galt es von Mikael auszuleben. Aber als er erfahren hatte, dass Jacques mit seinem Mordgewerbe ganze Familien dem Tod weihte, begann er vor Wut zu kochen. Beinahe hätte er sich selbst vergessen, hätte angefangen wild zu gestikulieren und Laut zu schreien. In letzter Sekunde erst hielt er sich zurück und begann sich aufs Atmen zu konzentrieren. Es würde ja doch nichts verändern.

„Schnauf nicht so“ ermahnte ihn da Jacques „Du verpasst sonst alles, Mikael! Schau, Ferdinand ist gerade fertig mit dem Kennblatt, jetzt sind wir schon einen guten Schritt weiter“ sagte er zufrieden. Mikael versuchte sich zu beruhigen und ging rüber zu Jacques und Ferdinand. Er stellte sich hinter Jacques und schielte über seine Schulter. „Sieh mal“ freute sich Jacques „Du hast sogar Glück, das hier wird ein leichter Mord. Der Gustáph lebt seit einem Jahr getrennt von seiner Frau und seiner zweijährigen Tochter. Das heißt wir müssen nur ihn umlegen!“ Jacques grinste zufrieden und sah Mikael an. Dann klopfte er ihm wieder auf die Schulter. „Gut ausgewählt“ sagte er nur, aber Mikael brachte kein Wort heraus. Wird er diese Mordserie wirklich überstehen können? Einen Mord hatte er schon gesehen. Aber es ist sicher, dass Jacques ihm früher oder später auch eine Waffe in die Hand drücken würde. Mikael atmete noch einmal tief durch, dann fragte er Jacques: „Und jetzt, wo wir wissen wen wir den Tod bringen, ist unsere Aufgabe, zu ihm zu gehen und die Tat zu vollenden?“ fragte er vorsichtig. Jacques sah auf die Uhr. „Noch lang nicht“ rief er. „Wir treffen uns heute Abend wieder bei Joujou. Jetzt ist es fast 8, ich muss in die Kanzlei, zur Arbeit. Du kannst auch deinem Beruf nachgehen. Ferdinand schaut noch ein paar Sachen nach, er schließt dann hier ab.“ Mikael schwieg, als Jacques und er das Büro verließen und auf der Straße Richtung Innenstadt entlangliefen. „Also sehen wir uns nach der Arbeit bei Joujou, ja?“ fragte ihn Jacques, kurz bevor ihre Wege sich trennen würden. Mikael nickte nur, etwas zum Sagen fiel ihm nicht ein. „Oder besser heute Abend“ schlug Jacques vor. „So wie immer.“

Während Jacques sich schon Richtung Kanzlei aufmachte, blieb Mikael noch eine weile stehen. Er war sich bewusst, dass er sich dringend entscheiden muss, ob er mit der Polizei oder wenigstens einem Seelsorger über das Problem reden sollte. Aber ein Seelsorge bricht in solchen Fällen gern seine Schweigepflicht und geht selbst zur Polizei. Mikael hatte Jacques die Treue geschworen – niemals würde er ihn Verraten. Mit keinem würde er darüber reden, welches Spiel Jacques treibt. Erst recht nicht, bevor er es selbst rausgefunden hat. Vielleicht hat Jacques ja Recht und er gewöhnt sich früher oder später an das Morden. Das Töten ist gar nicht das spannende, viel spannender ist es für Mikael herauszufinden, was hinter dieser Mordmaschine Jacques wirklich steckt. „Jacques will Mikael dabei haben, dann soll Mikael eben dabei sein“ dachte er sich. „So wie immer“ hatte Jacques gesagt. Nichts war mehr wie immer.

Verfassungsreform in Plankow

Ibors, Demokratisch Föderale Union Plankow

Seit dem gestrigen Tage hat Bundespräsident Manvred Brung die Verfassungsreform mit dem Einverständnis des Bundesparlamentes beschlossen. Eine Überarbeitung sei auf Nachfrage derzeit aber noch „in Arbeit und darf […] noch nicht an die Öffentlichkeit publiziert werden. […]“. Auf der Pressekonferenz der Bundesregierung wurde mittgeteilt, dass nicht die vollständige, sondern nur ein gesonderter Teil der Verfassung reformiert werde. Dem Bundesgerichtshof liegen derzeit auch keine zu prüfenden Dokumente vor, die den öffentlichen Medien zur Verfügung stehen würden.

Republik Koso legt Einspruch ein

Das Landesparlament der Republik Koso hat beim Bundesgerichtshof Einspruch auf die Verfassungsreform eingelegt — dieser wurde jedoch noch am gleichen Tage abgelehnt. Die Begründung, so seitens des Parlaments, sei für die Verhältnisse in einem demokratischen Sozialstaat unannehmlich.

Ministerpräsident Aleksaii Gobrinowa schreibt der NATIONALEN ZEITUNG:

„[…] Die von dem Bundesparlament mit dem Bundespräsidenten beschlossene Sache ist mit den Ländern nicht abgesprochen worden. Das halte ich für nicht richtig! Es muss uns doch in diesem Staate möglich sein, auch als Gliedstaat einer Union, eines Bundes, mitentscheiden zu dürfen. […] Ich sprach heute mit den anderen Ministerpräsidenten der Republik Warien und der Republik Planistan, wobei diese auch kritisierten, dass […] dieses Vorhaben der Bundesregierung nicht mit dem richtigen Föderalismus übereinstimmt. […]“

Alles eine Frage der Zeit?

Gemäß der Demokratischen Verfassung der Demokratisch Föderalen Union Plankow haben die Länder nur eingeschränktes Mitstimmungsrecht, da diese nicht etwa in einem eigenen Rat der Länder vertreten sind, sondern nur über das Bundesparlament vertreten werden. Ein Landesparlament darf nur bei einem Gesetzesentwurf Einspruch einlegen, und den Entwurf so verändern, bis dieses und die anderen zwei Landesparlamente im gegenseitigen Einverständnis stehen. Ein Veto-Recht, so wie es der Bundesgerichtshof oder die Bundesbürger bei einer 3/4-Mehrheit einlegen können, haben die Parlament nicht.

Es wird also nur eine Sache der Zeit sein, bis der Bundesgerichtshof die Reform überprüft hat. Danach können weitere Entscheidungen gefällt werden.

Geschrieben aus dem internationalen Redaktionsbüro der NATIONALEN ZEITUNG in Ibors, am XXII. VIII. 2519 — ^fb

Jacky – Episode 2: Totes Geschäft

Im Norsbroker Nystabladen erscheint unregelmäßig eine Episodengeschichte des eintralischen Autoren Saul Wiler. Die Serie »Jacky« erschien erstmals im August 2519. Sie erzählt vom besessenen Mörder Jacques und seinem religiösen Freund Mikael die eine Mordserie zu verantworten haben. Geschickte Spiele mit der Polizei, vielschichtige Hintergründe und riskante Intrigen halten die Leser im Bann.
In der zweiten Episode offenbart Jacques seinem Komplizen und Freund Mikael, mit welcher Professionalität er bei seinen Morden vorgeht.

Es war ein trüber Morgen, mit tief hängenden Wolken und hoch steigendem Nebel. Ein Morgen, an dem man die Sonne nicht aufgehen sieht, an dem selbst das Morgenrot im Grau des Himmels erstickt und kaum ein Vogel wagt, mit seinem Gesang dem Tag zu schmeicheln. Und genau dieser Morgen war es, an dem Mikael vom klingeln seines Telefons geweckt wurde. Mikael lebte allein in einer kleinen Wohnung am Rand der Innenstadt. Verheiratet war er nicht, auch wenn der Aporismus ihn an keine Keuchheit band, konnte Mikael bisher nie an die Liebe zwischen zwei Menschen glauben. „Apor ist Liebe“ spottete Jacques oft, wenn sie doch mal bei einem Bier oder Vanilletee über Frauen sprachen. Aber jede Erinnerung, die Mikael an die Zeit mit Jacques hatte schien ihm nun in einem völlig anderen Zeichen zu stehen. Was war das nur für ein Mann?

An den Umstand allein zu leben war Mikael längst gewöhnt. Immerhin verdiente er als Priester genügend Geld, um sich gut einzurichten. Und dadurch, dass er keine Frau hatte, war er auch nahezu rund um die Uhr erreichbar. Dass nun Morgens das Telefon klingelte, änderte also nichts an der Laune von Mikael, er griff zum Hörer. „Hier ist Mikael, guten Morgen“ sagte er mit verschlafener, sanfter Stimme. „Mikael komm rüber!“ rief da Jacques, offenbar schon hellwach. „Wir haben was zu erledigen!“ Noch ehe Mikael etwas erwidern konnte, legte Jacques schon auf. Mikael sah sich müde in seinem Schlafzimmer um. Blick auf die Uhr, es war gerade mal 3 Morgens. Mikael ging ins Badezimmer, wusch sich das Gesicht, zog sich seine frisch gebügelten grauen Hosen an, dazu sein weißes Hemd, sein Sakko, die schwarzen Schuhe. Dann verließ er das Haus und machte sich auf den Weg zu Jacques.

Die historische Innenstadt von Au-Dio schlief noch, als wäre es an diesem Morgen noch nicht heller geworden. Hier und da bewegten sich die ersten Autos durch die schmalen Straßen. Auf dem Marktplatz hatten die Geschäfte noch geschlossen. In einigen Bäckereien brannte schon Licht, die Frühschicht würde bald beginnen. Einzig und allein Joujous Bar an der Strandpromenade hatte schon offen. Joujou, der fröhliche alte Herr, pfiff, während er vor seinem Laden mit einem Besen die Straße fegte. Als er Mikael auf der anderen Straßenseite sah, winkte er ihm zu. „He, Mikael!“ rief er fröhlich „Schönen guten Morgen, wo geht’s hin so früh am Tag?“ Mikael sah auf „Zu Jacques, er hat mich angerufen.“ – „Na da musst du nicht mehr weit laufen, komm nur rüber Jacques ist schon bei mir und trinkt seinen Eichenkaffee. Soll ich dir auch einen aufsetzen?“ Mikael lief über die Straße und schielte in die Bar. Tatsächlich, so früh am Morgen und trotzdem fanden sich schon die ersten Gäste, darunter auch Jacques der sehr vertieft in der Tagesausgabe des Norsbrôker Nystabladen las. „Na, ein Glück dass du mir Bescheid gegeben hast, mein alter Freund Joujou. Bitte, setz mir auch einen Kaffee auf, ich setze mich zu Jacques nieder.“ In dem Moment sah Jacques auf und begrüßte seinen Freund. „Mikael, da bist du ja!“ strahlte er. „Wieviel Zeit hast du dir denn gelassen? Seit meinem Anruf sind ja bald zwei Stunden vergangen. Setz dich. Ich lade dich ein.“ Joujou mischte sich vom Tresen aus ein. „Jacques, na wenn du einlädtst dann mach ich deinem Freund hier Kronkorkenstaub auf den Kaffee!“ lachte er. „Lass nur Joujou, du willst mich ja doch nur arm machen!“ rief da Jacques, dann wandte er sich wieder zu Mikael. „Weißt du, warum ich dich angerufen habe?“ fragte Jacques ernst. Mikael deutete eine Überlegung an, dann sagte er „Ich denke es wird etwas geschäftliches sein.“ Jacques lachte wieder „Du hasts verstanden, Mikael! Du verstehst mich immer“ dann rief er Joujou zu, der den Kaffee brachte „Joujou, hast du das gehört? Der Mikael, der hats verstanden. Solchen Leuten gebe ich doch gern den Kaffee aus!“ – „Nur die Kronkorken nicht“ lachte da Joujou. Jacques scherzte weiter „Ach sei still, Joujou. Mein Freund hier mag sowieso keinen Kronkorkenstaub. Er sagt immer dass er von Goldpekaka Blähungen kriegt und all das führt er auf den Kronkorkenstaub zurück“ Jacques nickte verständnisvoll, konnte sich dann das Grinsen aber nicht verkneifen. „Ach, manch seltsamer Kautz bringt auch nur Sonderlinge ins Haus“ schmunzelte er und ging ab.

Mikael nippte von seinem Kaffee und sah Jacques an. Er hatte seine Latzhose nicht angezogen und auch nicht seine Fliege. Er saß da, die obersten Hemdknöpfe offen eine lockere Hose und Sandalen. Lässig zurückgelehnt trank er seinen Kaffee aus einer Überstumpfwinkeltasse und sah völlig entspannt aus. „Jacques…“ begann Mikael vorsichtig. „Ich verstehe das nicht. Du sitzt hier völlig ruhig und weißt doch, dass du heute wieder einen um sein Leben bringen willst. Was geht dir nur durch den Kopf?“ Jacques nippte noch einmal von seinem Kaffee dann wischte er seinen Mund am Ärmel ab und lehnte sich nach vorn. „Es ist jetzt keine ganze Woche her, dass du bei meinem letzten Mord dabei gewesen bist“ sagte er ruhig. „Wahrscheinlich bist du noch immer schockiert vom Anblick und kriegst es kaum aus dem Kopf… wie hieß der arme Kerl noch gleich?“ Mikael sah ihn verdutzt an. Hatte er wirklich den Namen seines letzten Opfers vergessen? Der Name, der ihn seit dem Moment an, selbst jeden Tagtraum zum Alptraum werden ließ? „Emil hieß er!“ rief Mikael, und konnte seine Aufregung kaum zurückhalten. „Er hieß Emil“ wiederholte er sich, diesmal ruhiger. „Ahh genau. Emil war das. Wieder so ein armes Schwein“ erinnerte sich da Jacques. „Wie dem auch sei. Für dich sind diese Erfahrungen noch längst nicht beliebig genug.“ fuhr Jacques geduldig fort. „Wir machen weiter, bis du dich daran gewöhnt hast.“ Mikael schwieg. Er wusste, dass es hieraus wohl kaum einen Ausweg geben würde. Jacques war raffiniert er könnte ihn ohne weiteres ins Messer laufen lassen, wenn er sich gegen ihn wenden würde. „Also?“ fragte Mikael „Was ist jetzt dein Plan? Willst du mich wieder mitnehmen zu irgendwem nach Hause und wir bringen ihn dann um oder wie stellst du dir das vor?“ Jacques sah ihn ernst an. „Nein, So leicht ist es nicht. Trink aus, dann zeig ich dir dein neues Büro.“ Als Jacques und Mikael ungefähr eine halbe Stunde später die Bar verließen rief Joujou ihnen noch hinterher „Bis heute Abend dann, Jacques?“ – „Brech ruhig schon die neue Kiste Vanille an Joujou“ rief Jacques, obwohl er sicher war, dass Joujou ihn gar nicht hören konnte.

Da der sonst sehr gesprächige Mikael kein Wort von sich gab, brach nun Jacques die Stille „Kommst du heute Abend auch wieder mit zu Joujou? Soweit ich weiß wartet Niemand auf dich daheim!“ – „Das kann ich im Moment noch nicht sagen Jacques. Aber sag, wartet deine Frau nicht jeden Abend auf dich?“ Jacques blieb stehen und sah Mikael an. „Ach Ynes.. das ist so eine Eigenheit von ihr, sie wartet auf mich jeden Abend und dann schweigt sie, wenn wir schlafen gehen.“ Dann beginnt er zu lachen „Na, immerhin sagt sie mehr als dein Apor!“ Mikael brachte aus Höflichkeit ein Grinsen hervor. „Weißt du, Jacques, dein Atheismus wird dir noch früh genug auf die Füße fallen.“

Jacques blieb wieder stehen. Dann sah er Mikael an. „Hier ist es.“ Sie standen vor einem Geschäft mit der Aufschrift »Pingbo-Reisen« Mikael blickte fragend zu Jacques hinüber. „Ein Reisebüro von Pingbo? Was soll das denn?“ Jacques freute sich sichtlich, sein Wissen präsentieren zu dürfen. „Mitte der 2440er Jahre hatte die Sanitärfirma Pingbo die Idee gehabt neben Toiletten und Reinigungsservice auch Reisebüros zu eröffnen. Die wurden besonders hier in der Trance Nation, aber auch in Neuxyllabien sehr stark subventioniert. Das Projekt ist komplett gescheitert. Der damalige Graf Cahctulla war einfach kein gutes Werbegesicht für Weltreisen“ grinste Jacques. „Ich hatte das Glück ein halbwegs gut erhaltenes Reisebüro anmieten zu können, das noch perfekt im Originalzustand erhalten ist. Kaum zu Glauben dass einiges an diesem Schuppen über 75 Jahre alt ist!“ Mikael war noch immer irritiert. „Erkläre mir doch bitte, warum du ausgerechnet ein Pingbo Reisebüro haben wolltest“ bat er Jacques, als der sich gerade daran machte, die Türen aufzusperren. Jacques freute sich: Auf diese Frage hatte er gewartet. „Mikael, ich erklärs dir. Niemand auf der Welt würde ein Pingbo Reisebüro betreten. Man hat einen guten Standort und zudem seine Ruhe. Außerdem, wenn eine Firma, die eine bekannte Sanitärmarke im Namen trägt, eine große Menge an Reinigungsmitteln bestellt fragt keiner nach. Und auch unsere Mitarbeiter in hellblau – du hast sie ja bereits gesehen – wecken kaum große Verwunderung. Es ist alles perfekt!“

Mikael erwischte sich dabei, wie er eine gewisse Verwunderung für die Sorgfalt empfand, die Jacques in seine neuen Geschäfte steckte. Es schien auf den ersten Blick vieles durchdacht. Und dennoch will ihm einfach nicht in den Sinn kommen, warum sich Jacques so sehr darauf spezialisiert hat, diese Morde zu begehen. „Ich verstehe nur nicht ganz“ fragte er dann endlich „Worin dein Profit besteht bei alledem. Wie finanzierst du das alles? Deine Mitarbeiter und alles und auch die Immobilie so sehr in Strandnähe. Ich bin sicher, mein Lieber Jacques, dass selbst du dir das nicht ohne weiteres leisten kannst“ Jacques grinste. „Ich bin kein Dieb, wenn du das meinst. Ich bringe Leute um, aber ich beklaue sie nicht. Du hast schon Recht, Ötti wächst nicht auf Bäumen. Woher das Geld kommt kann ich dir jetzt nicht sagen, aber das wirst du auch noch erfahren.“ Mikael konnte Jacques ansehen wie er versuchte Weise zu wirken, während er die letzten Worte sprach, doch er fuhr lässig fort. „Pass auf, ich zeige dir jetzt einmal wie so ein Alltag hier abläuft. Ich habe heute Morgen noch Ferdinand angerufen, der wird gleich da sein. Bis dahin müssen wir uns ein neues Opfer ausgesucht haben“ – „Aber wie?“ – „Siehst du da drüben auf dem Tisch das Telefonbuch?“ Mikael schluckte „Schlag eine Seite auf, schließ deine Augen und Tippe auf einen Namen.“

Nach Schulfächerreform in der FRNX: Ultan-Diskussion bricht in Dianien erneut aus

Nachdem die Förderale Republik von Neukanabien und Xyllabien gestern bekanntgab, die Plansprache Ultan weiterhin nur als Wahlfach anzubieten, hagelte es international Kritik. In der DZR wird die Sprache bisher überhaupt nicht unterrichtet.

Die Bildungskonferenz der Teilstaaten einigte sich vor eineinhalb Jahren nach langen Diskussionen darauf, Ultan überhaupt nicht zu unterrichten. In der damaligen Begründung heißt es, die Sprache sei zu irrelevant und hätte weitaus weniger Nutzen für die Schülerinnen und Schüler als beispielsweise Kanabisch. Jetzt, kurz nach den Winterferien, könnte die Diskussion erneut ausbrechen. Grund ist ein Beschluss im STAVA, an den Alexander Brecht, Premierminister Groß-Lussliens, gestern im Staatenverbund erinnerte: Vor zwei Jahren, die dianische Zentralrepublik war damals noch kein Mitglied des Bundes, hatte man beschlossen, Ultan als zweite Fremdsprache an den weiterführenden Schulen einzuführen. Die dianische Zentralrepublik hatte sich bisher immer über diesen Beschluss hinweggesetzt, jetzt könnte er zu einem Problem von vielen mit Ultan werden. Das dianische Schulsystem kann diesen Beschluss überhaupt nicht umsetzen.

Auf sogenannten Derdootnomias (deu. Basisschulen), eine der insgesamt vier weiterführenden Schulen im dianischen Schulsystem, wird überhaupt keine zweite Fremdsprache unterrichtet, auf Ternomias (deu. Mittelschulen) nur als Wahlfach, Ultan ließe sich auf zwei von vier Schulen mit niedrigerem Bildungsniveau für Schüler also einfach umgehen. Wie das mit dem Beschluss des STAVA zusammenpasst, muss erst geklärt werden.
„Wir ändern gewiss unser Schulsystem nicht für Ultan. Und wir ersetzen kanabisch nicht als die führende, wichtigste Fremdsprache.“, schrieb der riciianische Bildungsminister gestern auf dem Kurznachrichtendienst Teel.

Ebenfalls nicht klar ist, welche Sprache man durch Ultan ersetzen würde. Ressourcen für noch eine weitere Fremdsprache habe man an vielen Schulen nicht, man müsse eine andere Fremdsprache entfernen. Die Sprachen der direkten Nachbarländer, wotanisch und torassisch, werden je nach Teilstaat als Wahl- oder Plichtfach unterrichtet, lussisch nur als Wahlfach, allerdings auch nicht überall. Wahrscheinlich muss Lussisch bei einem tatsächlichen Beschluss dran glauben, das reicht aber nicht. Sprachen der direkten Nachbarländer nicht mehr flächendeckend zu unterrichten, wäre fatal für die Sprachentwicklung der Schülerinnen und Schüler, so Experten.
Es könnte also erneut eine lange, harte Diskussion um Ultan geben – und das nicht nur in Dianien.

Rückschlag für Plansprache Ultan: Sivalesisch wird neues Pflichtfach in der FRNX!

Domidan Shergon (UDP) neuer Obmann von Forn-Ireth – Demokraten holen absolute Mehrheiten im Ablatium und im Kalatium

https://ultos.files.wordpress.com/2019/03/ft-200.jpgCelebrian, 12. Drion 2519 (16.08. GZR)  Forn-Ireth hat gewählt. Und das Ergebnis ist eine faustdicke Überraschung. Sowohl bei der Wahl des Obmanns als auch bei den Wahlen zum Ablatium (Abgeordentenhaus) und zum Kalatium (Senat) haben die Demokraten (UDP) gewonnen.

photo_2019-08-16_18-07-49Die Wahl zum Obmann konnte bereits im ersten Wahlgang entschieden werden. Kalat Domidan Shergon erhielt 61,3 % der Wählerstimmen. Auf die Bewerber der Aporisten (APA), Kalat Jotif Abijof und der Republikaner (RLU), Kalat Tolradir Eluch entfielen 23,4 & bzw. 15,3 % der Wählerstimmen. Die Unabhängigen (AIF) hatten auf die Aufstellung eines Kandidaten verzichtet.

Die Wahl zum Ablatium ergab folgendes Ergebnis: UDP = 51,0 % (34 Sitze), APA = 28,2 % (19 Sitze), RLU = 18,9 % (13 Sitze), AIF = 1,9 % (1 Sitz). Bedingt durch ein Überhangmandat hat das neue Ablatium von Forn-Ireth nun 67 Mitglieder.

Ähnlich deutlich fiel auch die Wahl des neuen Kalatiums aus. Die UDP stellt drei Kalaten; die APA und die RLU stellen jeweils 1 Kalaten.

Die Wahlbeteiligung lag bei 88,4 %.

Einer der ersten Gratulanten war Begam Nodecano Furyatan. Er gratulierte dem neuen Obmann Domidan Shergon und wünschte ihm eine erfolgreiche Amtszeit.

Helmar von Huncis, Feanaro Times