Die Nationalkomikerin – cultura #7

Na? Haben Sie uns vermisst? Nun sind wir mit einer knackigen Folge und neuem Look wieder da. Heute stellen wir einen pahragrauschen Star vor.


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Verfasst von cultura Redaktion


cultura7

Wenn Sie einen pahragrauschen Passanten auf der Straße nach „Lena Halacht-Kulli“ fragen, kommt, obwohl der Name ein wenig sperrig ist, ein Schmunzeln bei der Person auf. Dabei hatte es sie nicht immer leicht. Sie ist in einer Fischerfamilie groß geworden, besser gesagt in Ingen. Dies ist eine Stadt in Rita, dem südlichen Kantons Pahragraus. Aus ihrer Familie stammt auch der ehemalige Bezirkspräsidents des Ingenbezirks, ihr Bruder Keno Halacht. Er ist zwar national nicht so bekannt wie sie, jedoch haben sie in jungen Zeiten etwas Gemeinsames erlebt: das Fischgeschäft wurde durch einen Brand zerstört. Fischgeschäft? Ja, ihre Familie verkaufte die Fische. Auch Lena Halacht-Kulli musste früh schon mithelfen, Tag und Nacht. Vielleicht verstehen Sie, wenn jemand etwas von klein auf macht, und dies dann nicht mehr existiert, kann das ganz schön traumatisierend sein. So war es auch bei ihr. Lena beschloß, weg zu gehen. Das Geschäft wurde wieder aufgebaut, doch da war sie nicht mehr da. 2460 zog sie in die große Stadt Krautstadt. Lena wollte berühmt werden, etwas bedeuten. Doch die Anfänge in Krautstadt waren schwer. Zuerst arbeitete sie im regionalen Fernsehsender „RITA TV“ als Moderatorin. Sie hatte auch eine Satiresendung und eine Musiksendung, wo sie selber sang. Doch das reichte Lena nicht. In Rita war sie eine Bekanntheit, im Rest des Landes war sie völlig unbekannt. Das wollte sie ändern und arbeitete nicht mehr beim Fernsehen. Sie gestaltete ein Bühnenprogramm mit dem Namen „lustig. humorvoll. komisch.“ Die Anfangsbuchstaben stehen für ihren Namen: Lustig – l – wie Lena. Humorvoll – h – wie Halacht. Und Komisch – k – wie Kulli. Das Programm war ein Erfolg! Die Leute lachten. In ganz Pahragrau war sie das Gesicht der pahragrauschen Komikszene. Das Erfolgsprogramm ging bis 2467. Im folgenden Jahr bekam sie einen Sohn, Uli Kulli, der derzeitiger Oberbürgermeister von Krautstadt ist. Nach einem nächsten Programm moderierte sie die große Sendung „Die versteckte Kamera“. Damit stieg sie wieder ins Fernsehgeschäft ein. Im Jahr 2510 beendete sie ihre Karriere. Abgeschottet von ihren Fans lebte sie von 2510 bis 2519. Denn 2519 bekamen ihre Fans ein neues Programm mit dem Titel: „Ich lebe noch!“.

In Kürze


Lena Halacht-Kulli (*2435 in Ingen) ist eine pahragrausche Komikerin, Entertainerin und Moderation. Sie ist ehemalige Fischverkäuferin und Sängerin.

Aarherz‘ Sturz

Bäsch, 13.02.2519. Ein politischer Ruck erschütterte heute morgen das Theater der Kammern, das Parlament der DVD. Adam Aarherz, provisorischer Regulator der Demokratischen Volksrepublik Diktatistan erklärte seinen sofortigen Rücktritt von allen Posten. So sehr die Nachricht schockieren mag, zeigt sich jedoch bei genauerer Betrachtung, dass dieser Ruck sich lange anbahnte und gar sorgfältig geplant wurde.

Adam Aarherz‘ hat schon lange den Zenith seiner Macht überquert. Feinde machte er sich mit seiner liberalen Wirtschaftspolitik in den ländlichen Regionen und mit seiner Abrüstung und der Annährungspolitik auch beim Militär. Ihren Unmut mischten auch im Zuge der Kampagne „Demokratie mit sauberen Füßen“ entlassene Beamte und Kritiker der intransparenten Methoden, mit welchen diese durchgeführt wurde, bei. Noch hielt das Unternehmertum, das von der Liberalisierung profitierte, sowie die weltoffene Jugend zu ihm.

Doch der Putsch Machars und die Schwierigkeiten, auf die der Vormarsch der alliiert-torassisch-davischen Truppen traf, besiegelten Aarherz‘ Schicksal. Noch mehr Beamte und Offiziere entsagten ihm nun offen die Treue. Die Verbündeten kritisierten die Korruption und mangelnde Loyalität der davischen Garnisonen, was Aarherz‘ Verhandlungsposition schwächte. Nun spaltete sich selbst das Lager seiner Freunde auf – „Das Haus“, eine Gruppe um den Abgeordneten Wheyëtta Naer, forderte eine noch engere Kooperation mit den Verbündeten, da man Aarherz weder einen erfolgreichen Feldzug noch eine ehrlich gemeinte Demokratisierung zutraut. Den Unternehmern stellten sie ein neokapitalistisches Wirtschaftsmodell nach dem Vorbild der URB in Aussicht. Die andere Gruppe, „Cmarnyr“, die sich um Lithra Cmarnyr gebildet hatte hingegen drängte Aarherz auf eine sofortige Ausweisung aller ausländischen Truppen und eine Aussöhnung mit Machar. Ihre Devise lautete: „Lieber von zwei Daviern als vom Ausland regiert werden“.

Nachdem infolge der nun bekannt gewordenen IADN-internen Zerwürfnisse über ein Dealangebot seitens Machar nun die militärische Unterstützung seitens der FRNX in der Schwebe scheint, erhöhte sich der Druck auf Aarherz weiter. Immer mehr wichtige Akteure in Politik, Medien, Wirtschaft und Militär ordneten sich einer der beiden Gruppen zu – und immer mehr einstige Freunde wandten sich von Aarherz ab. So waren die letzten Wochen in der davischen Hauptstadt von Intrigen, kleineren Skandalen und Korruption geprägt. Nicht weniger als drei Abgeordnete starben bei Attentaten. Eine Cmarnyr zugeneigte Zeitung veröffentlichte kompromittierende Fotos vom „Haus“-nahen Finanzminister Cuephman, die ihn bei unsittlichen Handlungen zeigten. Das Haus Cmarnyr-Unterstützers, Chaetta, welcher die Presse-Abteilung des Geheimdienstes leitet, brannte nur zwei Tage später ab. Aarherz blieb nichts anderes übrig, als die Hände zu ringen. Die Frage war nicht mehr, ob der bisherige provisorische Regulator stürzen, sondern wer seine Nachfolge antreten würde.

Dabei gelang es dem „Haus“ immer mehr Abgeordnete auf ihre Seite zu ziehen und durch geschickte Personalpolitik und zupaßkommende skandalöse Enthüllungen um „Cmarnyr“-Freunde an entscheidenden Positionen immer mehr Ministerien zu vereinnahmen. Es verwundert wenig, dass Torassia, welches die Verteidigung Bäschs übernommen hat, eher geneigt ist, mit dem „Haus“ zusammenzuarbeiten. Gerüchten machten die Runde, denen zufolge Jesko Svasalny und der mit ihm befreundete Multimilliardär Sergej Maipaipa persönlich an hohen Stellungen Empfehlungen für bestimmte Parteigänger Naers eingelegt hätten. Und so gewann schließlich das „Haus“, wie es sich am gestrigen Tage herausstellte.

Dabei machte Aarherz in seiner Rede sehr deutlich, dass er nicht freiwillig ging:

„Gewisse Zweifel an meiner Person sind laut geworden. Zweifel, die mir die Fähigkeit, unseren geliebten Kontinent durch diese schwierigen Zeiten zu führen, absprechen. In der militärischen Kampagne und den Jahren, die ihr vorangingen, sind zwar Fehler passiert. Aber – diese Fehler waren bereits durch Politik der vergangenen Jahrzehnte gesäht worden und kamen durch Misgunst und Illoyalität zum Keimen. Diese Zweifel haben Probleme zum Gegenstand, die weit außerhalb der Macht eines jeden Politikers liegen. Das heißt schlicht: Diese Zweifel sind ohne jeden Gegenstand. Aber dies ist nicht die Stelle um all das auszubreiten. Die Zweifel existieren, und das Leben lehrt, dass sich just das ungerechte Urteil am hartnäckigsten hält. Ich sehe, wie diese Zweifel unser Land spalten, auch unsere Hauptstadt, ausgerechnet jenen Teil, die noch nicht vom Bürgerkrieg beschädigt und vergiftet wurde. Ich werde nicht zulassen, dass nun auch dieser letzte Pol der Ruhe in kleinlichen Parteikriegen zerrieben wird. Da die Streitenden meine Regierung zum Vorwand ihrer Auseinandersetzung gewählt haben, hoffe ich, ihre Auseinandersetzung nichtig zu machen, indem ich ihnen diesen Vorwand nehme. Mein Rücktritt ist das Opfer, dass ich der Einheit des Kontinents bringe.“
– Adam Aarherz

Der Applaus für diese Rede dauerte zehn Minuten. Vor zwei Jahren, als Aarherz sein Amt angetreten hatte, hatte man eine Minute lang geklatscht. Im Anschluss wurde der neue provisorische Regulator gewählt. Wie vorauszusehen, ging Wheyëtta Naer als Sieger aus dieser Abstimmung hervor: Das „Haus“ besitzt eine eindeutige Mehrheit im Parlament.

Wheyëtta Naer
Wheyëtta Naer, absofort provisorischer Regulator der DVD

Die Mitglieder der alliiert-torassischen Koalition drückten ihr Bedauern über diese Entscheidung aus. Auch wenn innerhalb der Koalition derzeit unterschiedliche Auffassungen über die weitere gemeinsame Vorgehensweise vorherrschen, fiel das gemeinsame Statement von Torunien, Nordakronor, Allmeeren und Torassia überraschend einig aus: Man danke Adam Aarherz für die Zusammenarbeit und seinen Dienst an der Demokratie in Davien, hieß es aus Ctaeye. Dabei dürfte es sich aber um eine reine Formalie handeln, die man dem Mann zollen muss, der die internationalen Truppen zur Unterstützung in sein Land geholt hat: Man erwartet eine weitaus reibungslosere Kooperation mit Naer.

Abwahl Meralom – Mecelith wählen Stindor Letrandir zum neuen Parteichef

Banner Feanaro Times 2019Singollo, 7. Meira 2520 (11.02. GZR) Die MaI hat auf ihrem Unionsparteitag die Parteispitze neu gewählt – und Konzepte unter anderem zu Klimaschutz, Wirtschaftspolitik und Gleichberechtigung beschlossen.

Zum Abschluss des dreitägigen Parteitags riefen die Mecelith die Bürger zur Teilnahme an der politischen Diskussion auf. „Wir wissen, was wir an der UAF haben: Freiheit, Frieden, Wohlstand und Chancen für jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns. Die UAF braucht Sie!“ Der MaI-Unionsparteitag hat gezeigt: Die sich erneuernde MaI hat an Eigenständigkeit gewonnen.

Stabil im zweistelligen Bereich

Die 662 Delegierten des Unionsparteitags wählten vom 4. bis zum 6. Meira (09./10.02 GZR) auch den Unionsvorstand und das Präsidium. Als Kandidaten wurde der bisherige Vorsitzende Hollas Meralom und der Landeschef von Tarmil, Stindor Letrandir vorgeschlagen. Auf Letrandir entfielen 58,33 Prozent und auf Meralom 41,67 Prozent der Stimmen. „Ich nehme die Wahl herzlich gern an, und ich freue mich über das tolle Ergebnis, das uns motiviert, weiter zu machen.“ Für die nächsten Jahre gab Stindor Letrandir das Ziel aus, dass sich die Mecelith eine „stabile Anhängerschaft“ im zweistelligen Prozentbereich sichern. Stindor Letrandir„Der Vorsitzende der MaI ist qua Amt immer umstritten, in der Öffentlichkeit und intern. Das gehört sozusagen zur Stellenbeschreibung“, hatte der neue MaI-Chef seinen Vorgänger, Hollas Meralom, zitiert – „neben Teamwork und Solidarität natürlich“. Wenig später wählten ihn 58,33 Prozent der Delegierten ins Amt.

Seine Stellvertreter sind Hethar Ewcalim (73,2 Prozent) aus Amranien, der wiedergewählte Stellvertreter und Vizebürgermeister von Asgarden, Maleg Ahneldur (98,33 Prozent) sowie der Ismusist Kegrod Hilassion, Mitglied des Verwaltungsrates von Mi Wath (88,81 Prozent).

Hollas Meralom jetzt Beisitzer

Anrod Brosardur aus Feawen wurde auf Vorschlag von Stindor Letrandir mit 96,73 Prozent zum Generalsekretär gewählt. Schatzmeister ist Arendil Huch aus Forn-Vespera (97,35 Prozent). Als Beisitzer wurden der bisherige Vorsitzende Hollas Meralom aus Tarmil (95,8 Prozent), Jutanis Manar aus Forn-Ireth (88,23 Prozent) und Flessar Wiwarunya aus Eldalote (79,52 Prozent) gewählt.

Helmar von Huncis, Feanaro Times

 

 

LemsenTales #9 – das Staffelfinale: Lemsendorf in Gefahr

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Verfasst von Willem Bruuk


Hotzentorf saß an seinem Schreibtisch. Er las Zeitung. Wütend haute Hotzentorf auf den Tisch. „Dieser Emil Lemsen aus Lemsendorf nimmt mir meinen Titel! Die Familie Lemsen war mir schon immer ein Dorn im Auge. Diese alte Lemsen, die schon lange verstorben ist, hat mir damals meinen Titel geraubt! Die beiden Söhne sind zu ihrem Kaff Lemsendorf gezogen… und dann habe ich das alte Postrestaurant aufgekauft, abgerissen und ein fettes Hotel draufgebaut! Haha! Doch ich bin nur der zweitreichste Mensch Pahragraus! Dieser Emil… diese Familie Lemsen… was soll ich tun? Neulich hat er sich sogar den goldenen Kreuzer weggeschnappt! Der goldene Kreuzer verleiht Macht! Macht, Macht, Macht! Ich will Macht! Was soll ich tun?“ Professor Rauschbart stand nicht weit von ihm weg. „Sie könnten nach Lemsendorf und den goldenen Kreuzer holen.“ „Gute Idee, Herr Professor. Gute Idee.“ Hotzentorf kratzte sich am Kinn. „Aber ich will mehr! Ich will ganz Lemsendorf haben und die Familie Lemsen für immer vernichten!“ Professor Rauschbart nickte. „Das sind vernünftige Pläne. Wir können mit der Kutsche hin.“

In Lemsendorf bei Heinrich und Claudia wird bald etwas Großes fertiggestellt: „Bald habe ich meine Erfindung fertig, Heinrich!“ meinte Claudia, die stolz zu Heinrich schaute.

Auch im „riesigen Tresor“ ist man gesprächig: „Töricht! Ich muss meinen goldenen Kreuzer besser schützen. Ich befürchte Schlimmes. Was ist, wenn ein Irrer kommt und meinen Kreuzer stehlen will?“ Emil ist verzweifelt. Doch Töricht kommt auf eine Idee: „Versteck ihn einfach in deiner Jackentasche. Da sucht niemand.“ Emil ist begeistert von Törichts Idee. „Töricht! Du bist genial!“

Auch in der Insel der Witschis hat man Pläne. Herrscher Hatscha steht am Dorfplatz. „Leute! Die Familie Lemsen hat so viel Gutes getan! Deshalb müssen wir nach Lemsendorf! Packt eure Koffer und macht die Segel fest!“

finale

„1, 2, 3… 1, 2, 3,…“ Richard joggte durch den Stadtpark von Lemsendorf. Immer wieder zählte er seine Schritte. Aber als Naturwissenschaftler ließ er sich ziemlich von den Pflanzen des Parks ablenken. Die sonnige Sonnenblume, die geschnittene Schnittblume, die essige Essblume, die künstliche Kunstblume… alle sind hier… Doch plötzlich machte es einen Knall. Richard wurde aus seinen Gedanken gerissen. Der Parksee war gleich bei ihm. Eine große Riesenkrake war im Parksee. Eine Riesenkrake? Richard rannte zu ihr. „Wer bist du denn?“ fragte Richard. „Ich bin die Riesenkrake! Und ich habe ganz schön Bauchaua…“ Plötzlich spuckte die Riesenkrake ein menschliches Skelett aus. Diese ähnelte Michael sehr… er war doch vom Schiff gefallen… Richard erschrak. Von einer Riesenkrake wurde er gefressen! Die Riesenkrake merkte, dass Richard aufgeregt war. „Keine Angst, ich esse nur Blödmänner. Du bist keiner. Doch dieser hat richtig schlecht geschmeckt. Den hatte ich schon Jahrzehnte im Magen… Jetzt geht es mir wieder besser. Wo bin ich denn?“ „Mein Name ist Richard. Und ich heiße dich willkommen in Lemsendorf.“ „Lemsendorf… das klingt supi!“ Die Krake reichte Richard einer seiner Tentakeln. Richard schüttelte den Tentakel der Krake. „Wir sind jetzt Freunde“, nickte die Krake. Die Krake setzte einen Tentakel aus dem Parksee auf den steinigen Boden des Parks. „Ich bin eine Amphibienkrake! Das habe ich mir mal irgendwie so beigebracht…“

Ein Gespräch im „riesigen Tresor“: „Heute machen wir mal ein Spaziergang. Durch den Stadtpark.“ bestimmte Emil. Töricht freute sich. Endlich darf er während der Arbeit mal etwas anderes machen als die Münzen putzen.

Als sie vor dem „riesigen Tresor“ waren, redeten sie miteinander. „Töricht, ich wollte dir mal was sagen. Du bist ein guter Assistent.“ „Ach echt…-“ Das Gespräch wurde durch einen großen Knall gestört. Ein Schiff kam im Binnenhafen von Lemsendorf an. Töricht und Emil rannten hin. Dort war das Schiff der Witschis! Hatscha sah die beiden und rannte entgegen. „Mit meinem Volk wollte ich mal einen Auswärtstrip machen. Immer nur auf der Insel hocken wird langweilig.“, meinte Hatscha. „Ich freue mich sehr, dass ihr uns besuchen kommt.“, sagte Emil. Hatscha lachte. „Wir auch. Unser Sonnengott gab mir schlechte Nachrichten. Etwas Böses soll euch zukommen, meinte er. Ich machte mir Sorgen und reiste zu euch. Wir bleiben zwei Tage. Wo können wir schlafen?“ Alle schauten Töricht an. Töricht seufzte. „Nun gut. Ihr könnt bei mir schlafen.“

Irgendwo im Nirgendwo: „Wo müssen wir jetzt hin, Rauschbart?“ „Ich glaube, wir haben uns verfahren.“ „Was?“ „Ja, Herr Hotzentorf.“ „So nehmen wir nie Lemsendorf ein.“ „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Rauschbart schaute auf die Karte. „Wir müssen Richtung Osten.“ „Und wo liegt Osten?“ „Da wo wir Bananen kosten.“ Hotzentorf schaute Rauschbart skeptisch an. „Wir können eine kleine Pause machen.“ schlug Hotzentorf vor. Rauschbart und Hotzentorf stiegen von der Kutsche hinunter. Beide vertraten sich ein wenig die Beine. Um sie herum war nur Wald. Plötzlich leuchteten Rauschbarts Augen auf. Rauschbart schüttelte den Kopf. Niemand darf von seinem Geheimnis wissen. Auf jeden Fall nicht jetzt. Zum Glück hatte Hotzentorf nichts gesehen. Dieser machte nämlich sein großes Geschäft im Walde.

Wieder in Lemsendorf. „1, 2, 3… 1, 2, 3…“ Auch Heinrich hatte vor, im Stadtpark zu joggen. Dabei sah er eine Riesenkrake und Richard. Träumte er? Heinrich rieb seine Augen. Er war mittlerer Weile ein älterer Herr. Nein, eine Riesenkrake und Richard gingen wirklich spazieren. Heinrich joggte zu ihnen. „Hallo, ihr zwei!“ Alle blieben stehen. „Darf ich vorstellen; das ist die Riesenkrake!“ meinte Richard und zeigte zur Krake. Dabei sah Heinrich zur Riesenkrake. „Das sehe ich…“ „Hallo, ich bin die Riesenkrake. Schön, dich kennenzulernen.“

Bei Törichts Haus: „Hier ist mein Schlafzimmer!“ Die Witschis staunten. Richtige Zivilisation war ihnen unbekannt. Töricht führte sie durch jedes Zimmer. In jeder Ecke machte sich das Volk gemütlich. Ein Witschi breitete seine Matratze sogar in der Badewanne aus.

Endlich war Lemsendorf in Sichtweite. Hotzentorf und Rauschbart ritten in die Stadt hinein. Gleich war da der Stadtpark. Das neue Abenteuer konnte beginnen.

Hotzentorf hatte die Aufgabe, die bekannten Bewohner festzubinden, damit er und Rauschbart ungehindert die Stadt einnehmen konnten. Rauschbart sollte währenddessen in den „riesigen Tresor“ gehen und nach den goldenen Kreuzer suchen, der so viel Macht ihm verleihen würde. Sie legten ihren Plan los.

Hotzentorf band zuerst die Riesenkrake, Heinrich und Richard fest, die in der Nähe von ihm standen. „Was soll das?“ meinte Richard. Alle haben realisiert, dass Hotzentorf in der Stadt war. „Das ist für einen guten Zweck. Und das ihr nicht reden könnt, klebe ich euch eure Münder mit Klebeband zu!“ antwortete Hotzentorf.

Dann fuhr Hotzentorf mit seiner Kutsche weiter. Er entdeckte Törichts Haus. Auch Emil und Töricht fesselte er. Die Witschis entdeckte er nicht. Diese haben sich im Haus gemütlich gemacht.

Mit der Kutsche fuhr er Emil und Töricht zum Park.

Währenddessen ging Rauschbart zum „riesigen Tresor“. Die Gesichtserkennung zerstörte er mit seinen Leuchtaugen, die bei ihm aufhellten. Er kam hinein. Er klapperte alle Stockwerke ab, jedoch den goldenen Kreuzer fand er nicht.

Schnell rannte er zum Park. „Ich habe den goldenen Kreuzer nicht gefunden.“ sagte Rauschbart keuchend zu Hotzentorf. Während Rauschbart und Hotzentorf diskutierten, befreiten sich die Gefesselten. Die Krake gab Hotzentorf einen Stoß in den Bauch. Dieser wunderte sich: „Ihr habt euch befreit? Wie denn das?“ „Weil die Knoten nicht gut gebunden waren!“ meinte Töricht. „Und nun geht ihr ins Gefängnis!“ Hotzentorf lachte: „Wir gehen nicht ins Gefängnis. Wir werden Lemsendorf einnehmen!“ Daraufhin lachte Rauschbart: „Tja, Hotzentorf. Bis jetzt waren wir gute Partner. Doch nun spielen wir mein Spiel!“ Hotzentorf schaute Rauschbart verwundert an. „Das kannst du nicht machen, Rauschbart.“ „Und ob ich das kann! Und du wirst mein erstes Opfer sein.“ Hotzentorf erschrak.

Plötzlich hob Rauschbart ab. Er schwebte über den Boden. Ein Tornado wirbelte um ihn und verwandelte ihn in ein Zauberer. „Ich bin nicht Professor Rauschbart! Ich bin Zauberer Rauschbart! Hahaha!“ Dann zückte Rauschbart seinen Zauberstab und Hotzentorf wurde hypnotisiert. Rauschbarts Augen leuchteten. „Du wirst meine Pläne befolgen! Du wirst meine Pläne befolgen!“ Hotzentorfs Augen leuchteten nun auch und er sprach immer Rauschbart nach: „Ich werde Rauschbarts Pläne befolgen! Ich werde Rauschbarts Pläne befolgen!“ Rauschbart lachte: „Das ist schon mal ein guter Anfang. Und dass ihr kleinen Lemsener auch wirklich keine Chance haben, werde ich nun jeden Pahragrauer hypnotisieren, der ein kleines Spielzeug bei Hotzentorfs Restaurant gekauft hat!“ Rauschbart schwang seinen Zauberstaub. Auf einmal liefen Pahragrauer wie Zombies in Lemsendorf ein. Sie hatten alle Leuchtaugen. Die Spielzeuge, die man bei Hotzentorfs Luxusrestaurant kaufen konnte, hypnotisierten die Menschen. Ja, die kleinen Spielzeuge waren Hypnotisierungsmittel. Rauschbart ging es nie um den Erfolg des Luxusrestaurants. Mit den Spielzeugen wollte er einfach nur, dass die Menschen zu Zombies wurden, die alles machen, was Rauschbart wollte. Jeder Pahragrauer hatte einen Spielzeug in der Hand. Töricht bekam Angst: „Wir haben keine Chance.“ Plötzlich kamen die Witschis dazu. Sie scheinen wohl die Situation aus der Ferne beobachtet haben. Sie schlugen vielen Pahragrauer das Spielzeug aus der Hand. Wenn den Menschen das Spielzeug aus der Hand geworfen wird, sind sie nicht mehr hypnotisiert. Auch Heinrich, Richard und Töricht halfen mit, den Menschen das Spielzeug aus der Hand zu schlagen. Emil und die Riesenkrake versuchten, gegen Rauschbart zu schlagen, um ihn zu schwächen. Dies gelang eine Weile. Bis Rauschbart sein Zauberstab zückte und eine riesige Explosion auslöste. Alle lagen geschwächt auf dem Boden. Viele Pahragrauer waren immer noch hypnotisiert. War das das Ende? Wird Rauschbart gewinnen?

Plötzlich hörte man Gestampfe. Der Boden bebte. Jemand schien zu kommen. Ein weiterer Gehilfe von Rauschbart? Bitte nicht! Aber es war etwas anderes. Claudias Erfindung war fertig. Es war ein riesiger Roboter. Und Claudia saß darin und steuerte ihn. Dabei konnte Rauschbart nur lachen: „So eine Blechdose soll mich besiegen? Das ist das einfachste, was ich je hatte!“ Rauschbart streckte seinen Zauberstab gegen den Roboter aus. Er wollte den Roboter samt Claudia hypnotisieren. Ist das das Ende nun?

Doch als Rauschbart einen Strahl mit seinem Zauberstab gegen den Roboter strahlen wollte, passierte nichts. Er versuchte es immer wieder, doch es passierte nichts. Denn der Roboter war stärker als Rauschbart. Dann sagte Claudia: „Emil, gib mir deinen goldenen Kreuzer!“ Emil warf seinen goldenen Kreuzer zum Roboter. Der Roboter fing dies und öffnete sein Gehäuse. Im Gehäuse setzte der Roboter den goldenen Kreuzer ein. Dann schloss er das Gehäuse. Durch den goldenen Kreuzer wurde der Roboter mächtiger und stärker. Der Roboter ballte seine Hände zu einer Faust und rannte gegen Rauschbart. Rauschbart schrie. Der Roboter rannte. Die Faust knallte so heftig gegen Rauschbart, dass dieser verschwand. Rauschbart löste sich einfach in Luft auf. In diesem Moment waren die Menschen nicht mehr hypnotisiert und sie waren frei. Lemsendorf war gerettet.

Die Lemsener jubelten. Die Witschis jubelten. Die Krake jubelte. Und Hotzentorf? Dieser lag erschöpft am Boden. Er war sauer. „Nichts klappt!“ Und er rannte weinend aus Lemsendorf heraus. Die Pahragrauer, die gerade hypnotisiert waren, wussten gar nicht, wo sie sich befanden. Diese tapsten ahnungslos durch Lemsendorf herum. Während die Pahragrauer verwirrt waren, feierten die Lemsener, die Witschis und die Krake feierten eine Party. Dabei feierten sie so lange, dass der Abendhimmel über Lemsendorf strahlte. Und ein Lichtschein leuchtete auf den Stadtpark. Wahrscheinlich eine Botschaft des Totenreiches. Vielleicht feierte man dort auch eine Party?

Und Irgendwo, im Nirgendwo, da war eine Stimme: „Ich bin Rauschbart. Mächtig. Mich kann man nicht besiegen. Ich werde wieder kommen.“

Politische Veränderungen in der DVD

von Marek Schymmler


Bäsch. Die letzten Wochen waren von umwälzenden Ereignissen auf dem davischen Kontinent geprägt: Die Anti-Machar-Offensive wird von zahlreichen Erfolgen gekrönt. Die Beziehungen zwischen Ancalim-Feanaro und der DVD (oder zumindest der Aarherz’schen Regierung) befinden sich in einem Tiefpunkt. Aarherz ist aus verschiedenen Gründen genötigt, immer mehr Macht abzugeben. Sein Thron wankt sichtlich. Machar kann sich seiner innenpolitischen Macht zwar noch sicher sein, jedoch wurde nun erster Widerstand laut. Im Folgenden sollen diese Geschehnisse im Detail beleuchtet werden.

Militärischer Vorstoß

Die gemeinsame Offensive von IADN, Torassia und der DVD fruchtet: Torassia konnte bereits das östliche Ufer des Laewhars unter militärische Kontrolle bringen. Die IADN ist bis weit ins innere Atlawiens vorgedrungen.

Der Konflikt wird, sofern man davon bei einem Bürgerkrieg sprechen kann, weitgehend human ausgetragen. Zivile Opfer werden vermieden. Dies hat den Grund darin, dass sich die lokale Bevölkerung, die ohnehin nur lokale Herrschaft wirklich anerkennt und für die Aarherz, die IADN und auch Machar gleichermaßen fremde Herrscher darstellen, meist neutral verhält. Die Konfliktparteien wiederum wagen nicht, Stellungen und Städte zu halten, wenn die Gefahr ziviler Opfer besteht. Dieses Verhalten speist sich aus zwei Gründen: Machar hat eine weitaus geringere Truppenstärke und kann es sich nicht leisten, seine Soldaten in einen Kampf mit geringen Erfolgschancen zu schicken. Außerdem könnten Verluste in der Bevölkerung oder auch nur Sachschäden als sofortige Folge haben, dass sich die lokale Bevölkerung gegen den jeweiligen Eroberer oder Verteidiger empört und mit der gegnerischen Seite kooperiert.

Die Truppen der IADN sind zahlenmäßig in einem klaren Vorteil. Von der Qualität der Ausstattung her ist das extrem hochgerüstete Macharsche her ihnen zwar ebenbürtig, allerdings hier auch quantitativ unterlegen. Die IADN-Koalition hatte bereits erste Todesopfer zu beklagen: Ein allmeerischer Konvoi fuhr vor wenigen Tagen im Norden des Centrums über eine von Machar-Truppen installierte improvisierte Sprengmine, wobei alle vier Insassen ums Leben kamen. Das dürfte das Engagement Allmeerens in Davien weiter anheizen, denn unnötige Opfer lassen sich innenpolitisch schlecht verkaufen: Die Regierung in Belodon ist jetzt gezwungen zu liefern.

Ein besonderer Fakt aber spielt Machar in die Hände: Die davischen Offiziere verhalten sich gegenüber Aarherz nicht loyal. Manche laufen aus Überzeugung zum Gegner über, manche werden von Machar rundheraus bestochen. Darüber beschweren sich die leitenden allmeerischen, torassischen und duvarischen Köpfe der Operation naturgemäß. Der Oberbefehlshaber der allmeerischen Streitkräfte in Davien, Generalmajor Azhiyev, fasste die Situation wie folgt zusammen:

„Es vergeht kein Tag, an dem nicht mindestens ein weiterer davischer Oberst oder Major, der ein mit uns alliiertes Batallion führen soll, von der Bildfläche verschwindet, mit ihm meist auch der Großteil seiner Soldaten. Das Militär Machars transportiert diese Truppen zunächst ins Landesinnere, wo sie einige wenige Tage ausgebildet und mit den Befehlsabläufen im Militär des Centrums vertraut gemacht werden. Neu ausgerüstet werden sie dann zurück an die Front verlegt, meistens weit entfernt vom letzten Einsatzort damit die Fahnenflucht nicht auffliegt.“

– Generalmajor Azhiyev

Als logische Konsequenz werden immer weniger davische Truppen vonseiten der IADN in die Kampfhandlungen einbezogen. Aarherz, der den eigenen diensthabenden Offizieren nicht vertrauen kann, gleichzeitig aber nicht genug kompetente Nachfolger einsetzen kann, hat begonnen, sein Heer personell abzubauen.

Bruch zwischen UAF und DVD

Vor drei Tagen kam es zum Bruch zwischen der Regierung der DVD um Aarherz und der UAF. Das Verhältnis war bereits gespannt, nachdem die UAF den Machar-freundlichen Pargon Moonra als Generalsekretär des BAMBU installierte. Es folgte das Referendum in der Schwarzen Provinz (Mi Wath), welches deren Abspaltung von der DVD und die Eingliederung in die UAF zur Folge hatte. Es herrschte Funkstille.

Insidern zufolge bot Aarherz der UAF an, die Eingliederung anzuerkennen, wenn diese sich am Feldzug gegen Machar beteilige. An einem Kompromiss jedoch schien die Regierung in Finrod nicht interessiert: Der Besitz der Schwarzen Provinz ist ohnehin gesichert, eine militärische Aktion ist strategisch riskant und fände keine Unterstützung in der ancalischen Bevölkerung.

Aarherz zog nun die Konsequenz aus diesem Verhalten: Er brach alle diplomatischen Beziehungen zur UAF ab, zog seine Botschafter aus Finrod ab und verwies die Botschafter der UAF des Landes. Dabei verurteilte er die Annexion von Mi Wath auch erstmals mit scharfen Worten. Den Mut zu diesem Schritt dürfte Aarherz in der neuen Unterstützung durch die IADN und Torassia und deren militärischen Erfolgen geschöpft haben.

Aarherz verkennt die Realität. Auf Grund seiner wankelmütigen Politik hat sich Mi Wath von der Aarherz-DVD abgewandt. Das Volk hat das mehrheitlich so entschieden. Nicht die UAF hat Mi Wath annektiert – das Volk von Mi Wath hat eine Entscheidung getroffen.

– Paercyl Lamryth

Postwendend folgte die Reaktion der UAF. Diese fiel aber anders aus, als vielleicht von Aarherz erwartet. Zwar wurde seine Regierung für illegitim erklärt; die Putschisten-Regierung um Machar wurden aber ebenfalls für illegitim erklärt. Nur baldige Neuwahlen, so der ancalische Resident Finessar Gonalonde, könnten Klarheit schaffen. Der Plan von Machar, die UAF offiziell als Verbündeten zu gewinnen, kann damit als gescheitert betrachtet werden. Offenbar traut Finrod es also weder Aarherz noch Machar zu, den sprichwörtlich „Gollischen Knoten“ zu durchschlagen.

Der Zeitpunkt von Aarherz‘ Vorstoß könnte sich aber auch anderweitig als ungünstig herausstellen: Bisher herrschte nämlich Ruhe in Aumen, wo im Rahmen der gemeinsamen Kooperation des BAMBU nach wie vor Truppen der Mitgliedsstaaten stationiert sind. Diese sind nach dem diplomatischen Eklat nicht abgezogen worden – und es bleibt die Frage, was nun auf dem murabischen Kontinent geschehen wird.

LemsenTales #8 (2/2): Der Taugenichts

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Verfasst von Willem Bruuk


Vor vielen Jahren hatte auch Richard einen Sohn bekommen. Auch er ging zur Schule. Doch zum studieren reichte es nicht. Er wurde der Assistent von Emil. Er hieß Töricht.

Der Wecker klingelte. Töricht fiel aus dem Bett. Mit verschlafenen Augen begab er sich ins Bad. Er putzte seine Zähne und zog sich an. Dann ging er die Treppen hinunter. In einem Häuschen, mit zwei Etagen, wohnte Töricht in Lemsendorf. Mittlerweile ist die ganze Familie Lemsen nach Lemsendorf gezogen. Es war klein und hatte einen winzigen Garten. Im unteren Stockwerk angekommen, dem Erdgeschoss, ging er zur Küche. Er machte sich ein Müsli. Dabei schaute er auf die Uhr. Schon so spät? Das wird Cousin Emil nicht gefallen, wenn er zu spät zur Arbeit kommt. Töricht ließ alles stehen und rannte zum „riesigen Tresor“. Wie schon erwähnt, arbeitete Töricht als Assistent von Emil. Da der „riesige Tresor“ auf einer Erhebung gebaut wurde, musste er die Erhebung erst mal hinaufrennen. Am Eingang angekommen, musste er erst in eine Gesichtserkennung hineinsehen, die am Eingang befestigt war. Die Gesichtserkennung erkannte Töricht und so rannte er die 84 Treppen des „riesigen Tresors“ hinauf, bis er bei Emils Büro angekommen war. Emil wartete schon ungeduldig auf ihn: „Töricht! Schon wieder zu spät! Warum muss das jeden Tag so sein?“ Zornig wartete Emil auf Törichts Antwort. „Ähm…“ Töricht wurde nervös. „Ich wäre ja immer pünktlich. Aber wenn dein ‚riesiger Tresor‘ nicht auf einer Erhebung errichtet wäre, es keine Gesichtserkennung gäbe und man nicht 84 Treppen hinauf laufen müsste, bis man bei dir ist… Warum gibt es das alles überhaupt?“ Töricht erwähnte dabei nicht, dass er zu spät aufgestanden war und das einer der Hauptgründe war, weshalb er jeden Tag zu spät war. Aber das würde Emils Wut noch wütender machen. „Töricht! Als reichster Mann von Pahragrau muss das so sein! Die Erhebung ist deshalb so… weil… weil… wenn es eine Überschwemmung in Lemsendorf gäbe und der ‚riesige Tresor‘ auf keiner Erhebung errichtet wäre, dann würde das Wasser mein ganzes Gebäude überschwemmen! Mit dem ganzen Geld! Das wäre eine Tragödie! Ein Skandal! Ein…-“ Töricht räusperte sich. Emil setzte fort: „Die Gesichtserkennung ist dazu da, weil es genug Idioten hier draußen gibt, die mein Geld rauben wollen! Und die 84 Treppen sind eine Geschäftsidee! Wenn meine Geschäftspartner die 84 Stufen hinaufsteigen, lesen sie nicht mehr das Kleingedruckte in den Geschäftsverträgen!“

Idioten gibt es draußen genug, die nicht nur an Emils Geld, sondern auch an Lemsendorf heranwollen! Woanders schmiedet man schon Pläne…

…doch das erfahren wir in der nächsten Folge:

finale

LemsenTales #8 (1/2): Der goldene Kreuzer

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Verfasst von Willem Bruuk


Nach einigen Monaten kam der Sohn Heinrichs zur Welt. Seine Mutter war Claudia. Es vergingen Jahre, er ging zur Schule. Er studierte. Er wurde ein Banker. Oma Lemsen wäre stolz auf ihn gewesen. Heinrichs Sohn, der Emil hieß, erbaute ein riesiges Gebäude auf einer Erhebung in Lemsendorf. Im Gebäude war sein Vermögen drin. Er wurde auch der „riesige Tresor“ genannt. Dennoch war Emil ein netter junger Geschäftsmann. Er gab seiner Siedlung viel Geld und errichtete zum Beispiel das neue Theater. Emil war so schön wie sein Vater. Doch nun kam es zu einem neuen Abenteuer. Emil war auf der Suche nach dem goldenen Kreuzer. Er war kostbar. Er war einzigartig.

Emil hatte in seinem Gebäude Scheine und Münzen aus aller Welt – nur der Kreuzer fehlte. Nur wo war der Kreuzer? In einem Lexikon seines Onkels Reinhold hatte er gelesen, dass das Volk der Witschis, bei dem Emils Vater Heinrich immer Abenteuergeschichten zu dem Dschungelvolk erzählte, diesen Kreuzer hatte. Jedoch bedeutet der Kreuzer dem Volk nichts. Laut dem Lexikon hatte es eine Frau des Volkes einen Goldbarren beim Bananenstampfen ausversehen mitgestampft – und so war der Kreuzer entstanden. Bekannt wurde der Kreuzer durch Forscher, die das Volk besuchten. Diese meinten, der Kreuzer diente als Untersetzer für die Tassen, aus denen das Volk seine Bananenmilch trank. Aber Emil musste los. Er hatte ein neues Boot gekauft. Und er wollte ganz alleine los. Das wollte sein Vater nicht, da er „zu unerfahren“ sei. Jedoch ließ sich Emil nicht von der Meinung des Vaters beeinflussen und hatte schon Pläne für die Gewinnung seines Kreuzers.

Nun stand er am Hafen. Er stieg ins Boot und startete den Motor. Lange dauerte es, bis er die Insel der Witschis fand. Sie sah so schön aus. Traumhaft wie aus Bilderbüchern. Mit Bananenpalmen und Sandstrand. An einem kleinen Steg band er sein neues Boot an. Er suchte den Eingang des Dschungels. Laut seinem Vater befand sich das Volk im Zentrum des Dschungels. Nach kurzen Suchen fand er den Eingang und ging hinein. Er hörte nur Vogelgezwitscher, bis ein Mann vor ihm stand. Emil erschrak. „Ich bin Hatscha der VII. Herscher der Witschis. Wie ist dein Name?“ Der alte Mann, der eine Tröte in der linken Hand hielt, starrte Emil an. „Mein Name ist Emil Lemsen.“ sagte er nach einem angstvollen Schlucken. Emil war nervös und schwitzte. „Lemsen…“ Der Anführer überlegte.

Plötzlich riss der Anführer seine Augen auf und schrie: „Lemsen! Lemsen! Der Nachfolger unserer Volkshelden ist zurückgekehrt!“ Hatscha klopfte Emil kräftig auf den Rücken. „Komm mit!“ Währenddessen, im Dorf, hatte sich das Volk versammelt und schrie: „Wir Witschis lieben Litschis!“. Viele hingen sich dabei die Frucht um den Hals und bildeten eine Polonaise. „Du hast sicher Durst.“ meinte Hatscha zu Emil. „Komm mit mir!“ Im Dorf war es ein wenig laut. Deswegen führte der Herrscher ihn in sein Palast. Dort setzen sich beide an einen Tisch. Hatscha gab ihm ein Glas und füllte es mit frischer Bananenmilch. „Ach wie unhöflich von mir.“ meinte Hatscha. „Jetzt hätte ich fast den Untersetzer vergessen!“ Untersetzer? Bekam er den goldenen Kreuzer? Dieser wurde laut den Forschern oft als Untersetzer benutzt. Das war ja einfach! Doch Emil wurde enttäuscht. Hatscha benutzte ein Blatt als Untersetzer. Doch wo war der Kreuzer? Nachdem Emil seine Milch ausgetrunken hatte, hatte er Bauchweh. War wohl ein wenig zu viel Milch für Emil. Dann stand Emil auf und meinte zu Hatscha: „Ich schau mich mal im Dorf um.“ Hatscha nickte.

Im Dorf sah er sich um. Dort war aber nirgends ein Tisch mit Bananenmilch zusehen, geschweige denn, ein goldener Kreuzer als Untersetzer. War der Kreuzer nur ein Mythos? Das kann nicht sein. Forscher hatten ihn gesehen. Emils Bauch tat immer noch weh. Doch da! Emil schaute in das Fenster einer Hütte. Hier lag der goldene Kreuzer auf einem Tisch. Da die Hütten keine Türen hatten, ging Emil hinein in die leere Hütte. Er nahm den Kreuzer und… wurde aufgehalten.

„Was tust du da?“ Emil lief es kalt dem Rücken hinunter. Eine junge Dame stand da. Er drehte sich zu der Frau um. „Ich…ich…“ Die Frau wurde rot. „Du bist ein sehr schöner, junger Mann. Küss mich!“ Küssen? Emil kannte die Frau doch gar nicht. Er schüttelte den Kopf. „Doch! Küss mich!“ Die Frau ging mit gespitzter Lippe auf Emil zu. Emil hatte den Kreuzer und er wollte fliehen. Doch die Frau hielt ihn an seiner Kleidung fest. „Nicht so voreilig. Warum küsst du mich nicht?“ Der Ton der Frau wurde strenger. „Ich… ich liebe dich nicht.“ Die Frau ballte ihre Fäuste und verpasste Emil einen Tritt in den Schritt. „Ihr Männer seid doch alle gleich!“ meinte die Dame und trete sich weg. Doch da rappelte sich Emil auf. Er floh. Weg von dieser Irreninsel. Ihm tat alles weh. Er raste zu seinem Boot und startete den Motor. Endlich hatte er den goldenen Kreuzer.

LemsenTales #7: Bis der Tod euch scheidet

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Verfasst von Willem Bruuk


Mutter Lemsen lag im Sterben. „Auch im Totenreich werde ich euch lieben. Nichts kann uns von unserer Liebe trennen, hört ihr? Wenn ihr mich vermisst, ich bin da. Schaut in den Himmel hinauf. Ich bin so stolz auf euch, meine Kinder. Ich liebe euch unendlich lang.“ Sie küsste ihre beiden Söhne auf die Wangen, dann schloss sie die Augen. Ihre beiden Söhne saßen am Sterbebett. Mutter Lemsen war tot. Sie war eine starke Person. Erst ihr Vater, dann ihre Mutter musste sterben. Heinrich zündete eine Zigarette an, ging hinaus. Er sah die Morgensonne an. Warum? Warum müssen immer die guten Menschen sterben? Seine schwarze, hochgegelte Frisur glänzten im Sonnenlicht. Er war ein schlauer, junger Mann. Die Frauen liebten ihn heimlich. Doch nun hat er andere Sorgen als die Frauenwelt. Ihre Mutter war weg. Nie mehr würde er ihre liebende Art spüren. Heinrich weinte nie, jedoch kämpfte er mit den Tränen. Das sah auch Richard. Dieser wollte nach seinem Bruder sehen. Man trug den Sarg hinaus. „Wir müssen nun stark sein, Heinrich“ meinte Richard in einem ängstlichen Ton. Heinrich sagte nichts. Er war woanders. Mit seinen Gedanken beschäftigt.

In der Mittagszeit gingen alle mit schwarzer Kleidung auf den Friedhof. Die Mutter wurde beerdigt. Die Blumen warf man auf den Sarg. Tränen flossen. Die ganze Gegend war anwesend. Frau Lemsen war beliebt.

Am Abend wollte Heinrich durch die Stadt laufen. Sich ablenken. Er lief bis zum Stadtrand und entdeckte einen kaputten Schuppen. Beim kaputten Schuppen sah er Claudia – die Erfinderin – laufen. Sie wohnte da? Heinrich ging zum Schuppen. Claudia erschrak, als sie Heinrich sah. „Heinrich! Was machst du da?“ „Ich… ich…“ Heinrich bekam kein Ton heraus. Er liebte Claudia. Sie war schön. Und intelligent. Auch Claudia empfand etwas für Heinrich. „Es tut mir leid wegen deiner Mutter.“ sagte Claudia. Die Erfinderin bat ihn in ihren Schuppen. Sie baute gerade Teile für ihre Erfindung. Doch Claudia hatte nur Gedanken für Heinrich. Er sah so schön aus. Plötzlich küsste Claudia Heinrich. „Es ist nicht meine Art. Aber ich muss dir sagen, dass ich dich liebe, Heinrich.“ meinte Claudia in einem verzweifelten Ton. „Ich liebe dich auch, Claudia.“ Claudia streichelte Heinrichs Haar. Dann küssten sie sich erneut und gingen ins Schlafzimmer.

Opposition fordert Anerkennung von „Mi Wath“ als Teil der UAF

Politiker der ZVOP und der Gelben Partei (GP) kritisieren in einem Schreiben an das Zentralaußenministerium das Reiseverbot nach Mi Wath und fordern, den Anschluss an die Unionsrepublik anzuerkennen. Nicht nur in der Opposition findet diese Forderung immer mehr Anklang.

Der außenpolitische Sprecher der Gelben, Matin Nieelsov, veröffentlichte den Brief gestern auf der Onlineplattform DIC. Darin heißt es unter anderem „es sei das Beste für die schwarze Provinz, jetzt ein Teil der UAF zu sein.

Auf einer Pressekonferenz bestätigte Nieelsov, dass er fest davon ausgehe, dass die DVD vor ihrem Ende stehe. „Da ist nichts mehr zu retten, für niemanden.“ Es sei demnach das Beste für die Region, Teil der UAF zu sein. Außerdem deutete erneut an, dass auch andere Staaten ein geopolitisches Interesse daran hätten, die DVD aufzulösen und sich Teile einzuverleiben.

Der Zentralsprecher der Zivil-Volksorientierten Partei, welcher den Brief im Namen der ZVOP ebenfalls unterschrieb, sagte gestern: „Sie glauben doch nicht wirklich, dass die FRNX, Torassia oder die VSN Aarherz unterstützen, weil sie so ein großes Herz haben. Nein, jeder möchte ein Stück der Torte abhaben. Das weiß der BAMBU, weswegen er Nord-Aumen übernommen hat. Natürlich hat auch die UAF aufgrund von geopolitischen Interessen Mi Wath übernommen, im Gegensatz zu den anderen Staaten, die Aarherz unterstützen, herrscht hier aber Transparenz über den Vorgang. Die UAF stellt sich nicht als Retter Aarherz‘ da, wie dies unsere STAVA-Partner Torassia oder die VSN tun. Das ist scheinheilig. Die Unionsrepublik agiert transparent.“

Tatsächlich findet diese Einschätzung auch in der Regierung Anklang. So sagte der Berater des Außenministeriums und Politikexperte Hans-Joch Terrl bereits am Mittwoch in einem Interview, dass er davon ausgehe, dass die DVD unter den jetzt agierenden Ländern aufgeteilt werde. „Das sei dann zu verurteilen und nicht anzuerkennen, nicht das Vorgehen der UAF!“, forderte er.

Tatsächlich gab Außenminister Liit erst vor wenigen Minuten auf RIC bekannt, dass „die Einschätzungen der Dianischen Zentralrepublik zu Mi Wath überdacht werden. Es geht insbesondere um unsere stehts gute Verbindung zur Unionsrepublik Ancalim-Feanaro.“

Proteste in Alpaterowo, Yassara und Warcollm

von Marek Schymmler


Ein Symbol der Aarherz-Regierung ziert nach wie vor einen zentralen Platz in Alpaterowo: Das Denkmal zum Friedensschluss zwischen der DVD und der Sivalesischen Föderation, welches von einer Inschrift in Lithisch, Tán, Paramurisch und Sivalesisch geziert wird – Sival stellt als ehemalige Kolonialmacht das erklärte Feindbild des Machar-Regimes dar. Folgerichtig wurde das Denkmal gleich am ersten Tag des Putsches mit Brettern verbarrikadiert. Nun sollte es ganz zerstört werden. Die eher fortschrittlich gesinnten Studierenden Alpaterowos wollen dies jedoch verhindern.

Zwar genießt Machar einerseits durchaus großen Rückhalt in der Bevölkerung: Im Beamtenapparat, den er seit Jahrzehnten ausschließlich mit blind loyalen Funktionären besetzt; bei dem Militär, das er kräftig förderte; in der Wirtschaft – von den Fabrikbesitzern, die von lukrativen Aufträgen zur Aufrüstung profitieren bis zu den Arbeitern, da er für eine niedrige Arbeitslosenquote sorgt; bei allen Menschen, die in der Landwirtschaft entlang des Lÿm und des Bethem beschäftigt sind, da er Ackerbau und Viehhaltung großzügig subventioniert. Nach der Manier des „Gesunden Ismusismus“ à la Goll wird die „Intelligenz“ hingegen bewusst vernachlässigt – unabhängiges Denken wünscht das Regime keineswegs. Aus diesem Grund kristallisiert sich alle Frust und kondensiert sich aller Wiederstand an den Universitäten in Warcollm, Yassara und Alpaterowo. Da man auf Bildung nicht verzichten kann, um in Industrie und Rüstung für hohe Quantität und Qualität zu sorgen, konnte sich Machar nie ganz der ungeliebten „Intelligenz“ entledigen.

Und nun tritt diese in Gestalt der Studentenschaft zum ersten mal auf die Bildfläche. Zahlreiche Studierende versammelten sich zu einer friedlichen Demonstration um das Denkmal des Svalesisch-Davischen Friedensvertrages herum. Sie klagten auch Zensur und politische Schauprozesse in der Provinz Centrum an. Bevor die Polizei die Demonstranten zerstreute, waren fast 6.000 Menschen auf dem Platz zusammengekommen. Aus Solidarität kam es auch zu studentischen Protesten im Großraum Yassara.

Noch undurchsichtiger wurde die Lage in Warcollm. Hier marschierten nicht nur Studierende auf den Straßen, sondern Einwohner aller Schichten und Berufe. Der seit 2499 im Exil lebende Bürgermeister der Stadt, Yëntemaen Cewïthim, hielt eine öffentliche Ansprache in Urania, um der Bevölkerung Warcollms Mut zuzusprechen. Diese Rede wurde öffentlich und auf Großbildschirmen auf allen wichtigen Plätzen der Stadt am Lÿm übertragen.

Mit Wasserwerfen, Drohungen und vorübergehenden Verhaftungen gelang es dem Regime zwar inzwischen, sämtliche Demonstrationen zu unterbinden. Nun lässt es sich aber nicht mehr verbergen, dass sich auch in Machars Machtbereich Risse aufgetan haben.