Knossisch

Das Knossische umfasst eine Reihe miteinander eng verwandter Dialekte. Sie alle sind einander lautlich sehr ähnlich, differieren hinsichtlich der Grammatik und des Vokabulars jedoch recht stark. Man spricht deshalb nicht von einer einheitlichen Sprache, sondern von Dialektgruppen. Der hier vorgestellte Dialekt, das Knossische im eigentlichen Sinne, ist der mit Abstand größte (10 Mio. Sprecher). Er hat sich im Südlichen Karpatenraum zur Lingua Franka avanciert.

Laute

Vokale: a, o (wie in offen), u (wie in Grube), y (wie in polnisch pracownicy), ä (wie e in Bett), e (wie ö in öffnen), ü (wie in Rübe), ÿ (wie i in Gitter), i (wie in Tiger)

Konsonanten: m, n, r (deutsches r), rh (englisches r), l, p, t, k, s/th (wie in iss), f/ph, x/kh (wie ch in ach), v (wie w), z (wie s in Rose), g (wie g in Neugriechisch gamma); in sehr seltenen Fällen finden sich auch b, d, gg (wie deutsches g), die aber z.T. auch wie v, z, g gesprochen werden

Lautliche Prozesse:

  • Umlautung (im Folgenden durch * gekennzeichnet): a–>ä, o–>e, u–>ü, y–>ÿ
  • Verhauchung (im Folgenden durch ~ gekennzeichnet):
    • r–>rh
    • p–>ph, t–>th, k–>kh
    • f–>v, s–>z, x–>g
    • v–>ve, z–>ze, g–>ge,
    • rh, b, d und gg stehen nie im absoluten Auslaut und können daher nicht verhaucht werden

Grammatik

Substantive

Genera

Es existieren die Genera maskulin (natürliches Geschlecht), feminin (natürliches Geschlecht), kleine Objekte (kO – alles kleiner als bis einschließlich Mensch), große Objekte (gO, hierzu zählen auch die Abstrakta), heilige Objekte (hO)

Substantive können auf drei verschiedene Weisen in den Plural gesetzt werden

Plural auf -*ti

  • um zu kennzeichnen, dass eine lose, überschaubare, veränderliche Menge im Vordergrund steht
  • immer verwendet, wenn mit Numeral

Bsp.:

  • oks (Straße, Weg) –> eksti (Straßen, Wege)
  • sölk (Mensch) –>sölkti (eine Gruppe von Menschen)
  • ikt (Schlag) –>iktti (Schläge)
  • tal (Baum) –>tälti (eine Gruppe von Bäumen)
  • säthu (Berg) –> säthüti (eine Gruppe von Bergen)

Plural auf -agh/-ägh

  • -agh, wenn letzter Vokal des Wortes a, o, u oder y ist, sonst ÿ
  • nur, wenn das Wort auf Konsonant endet
  • um:
    • eine riesige Menge auszudrücken
    • zu verallgemeinern
    • Abstrakta zu bilden

Bsp.:

  • oks–>oksagh (viele/alle Straßen)
  • selk–>selkägh (viele/alle Menschen, Volk, Menschheit)
  • ikt (Schlag) –>iktägh (viele Schläge, Prügelei; Schläge im allgemeinen)
  • tal –> talagh (viele Bäume; Holz)
  • von säthu kann kein kein -agh-Plural gebildet werden

Plural mit -o-

  • muss in eine Gruppe aus zwei Konsonanten eingefügt werden, vorzugsweise die letzte; ggf. wird der letzte Konsonant wiederholt
  • um entweder eine abgeschlossene Gruppe unveränderlicher Größe mit abgezählten, konkreten Elementen, oder von einer Gruppe von Elementen, die eine Einheit bilden
  • um zeitliche Abfolge zu verdeutlichen

Bsp.:

  • oks–>okos (diese Straßen; Straßen von z.B. Berdonholm; Stadt (=Straßengewirr))
  • selk –> selok (diese Menschen (auf eine konkrete Gruppe hinweisend); Sippe, Volk; Verein)
  • ikt –> ikot (Schläge: mehrere Schläge hintereinander)
  • tal –> talol (diese Bäume; Gebüsch, Wald)
  • säthu –> säthotu für „diese Berge“, oder „Gebirge“ (für letzteres wird auch das Lehnwort satato verwendet, das ein Pluraletantum darstellt)

Dual

  • Vorsilbe: y/ÿ(m)- (für maskulin, feminin und kO), za- (gO, hO)
  • Bsp.:
    • zaoks (zwei Straßen; Kreuzung, Weggabelung)
    • ÿselk (zwei Menschen, Paar)
    • zaikt (zwei Schläge)
    • zatal (zwei Bäume)
    • rhot (Tisch) –> yrhot (zwei Tische)
    • as (Mann) –> ymas (zwei Männer)

Adjektive

kongruieren mit dem Substantiv nach der Nominalklasse und dem Numerus

Singularendungen

  • ~u für männliche
  • -ÿn für weibliche
  • — für kO und gO
  • -ata für hO

Bsp.:

  • varphu as = schöner Mann
  • varpÿn gil = schöne Frau
  • on rhot = großer Tisch
  • on tal = großer Baum
  • varpata foro = schöner Tempel

Dualendungen

  • ~uz für m und f
  • -az für kO
  • -ata für gO und hO

Bsp.:

  • varphuz ymas = zwei schöne Männer
  • varphuz ÿgil = zwei schöne Frauen
  • onaz yrhot = zwei große Tische
  • onata zatal = zwei große Bäume
  • varpata zaforo = zwei schöne Tempel

Pluralendungen

  • ~üt für m und f
  • -ata für kO, gO und hO

Bsp.:

  • varphüt ästi = schöne Männer
  • varphüt selkti = schöne Menschen
  • varphüt selkägh = schöne Menschheit
  • onata rheti = große Tische
  • onata tälti = große Bäume
  • onata talagh = viel Holz
  • onata talol = großer Wald
  • onata foröti = große Tempel

-ata wird vor Vokal häufig zu -at‘ abgekürzt

Adverb

Das Adverb, das sich auch ein (echtes) Verb bezieht, wird mit * markiert und ist endungslos. Bezieht es sich auf ein Adjektiv (oder ein partizipisches Verb), raubt es diesem die entsprechende Endung.

Bsp.:

  • at=schnell
    • ikhÿli ät = ihr schlagt schnell
    • atÿn gil = die schnelle Frau
    • iknotÿn gil = die schlagende Frau; atÿn iknot gil = die schnell schlagende Frau
    • aber: atÿn iknotÿn gil = die schnelle, schlagende Frau (schnell bezieht sich nicht auf schlagen)
  • on=sehr, groß, viel, heftig
    • ikhÿli en = ihr schlagt heftig
    • varpÿn gil = schöne Frau
    • onÿn varp gil = sehr schöne Frau

Steigerung

Gesteigert werden Adjektive durch Komparationsadverbien, die vor das Adjektiv gestellt werden, und mit dem Nomen kongruieren; das durch sie gesteigerte Adjektiv wird seiner Endung beraubt. Adjektive stehen stets vor dem Substantiv.

  • Komparativ I : si (s‘)
  • Komparativ II: ri (r‘)
  • Superlativ: el für kO, xti (xt‘) für alle anderen
  • Elativ: of (‚f)
  • Äquativ: ni (n‘)
  • Hyperativ (zu…): urh für männliche, ggox für alle anderen

Bsp.:

  • varphu as = schöner Mann
    • zu varp as = schönerer Mann
    • rhu on as = als der große Mann (zu varp as rhu on as = ein schönerer Mann als der große Mann)
    • xthu varp as = schönster Mann
    • vu varp as = noch schönerer Mann
    • nu varp as = ebenso schöner Mann (nu varp as rhu on as = ein genauso schöner Mann wie der große Mann)
    • urhu varp as = zu schöner Mann
  • onÿn um = große Mutter
    • sÿn on um = größere Mutter
    • sÿn on um rÿn varp um = eine größere Mutter als die schöne Mutter
    • xtÿn on um = größte Mutter
    • fÿn on um = noch größere Mutter
    • ggoxÿn on um = zu große Mutter
  • yk amps = schwerer Tisch
    • si yk amps  = größerer Tisch
    • el yk amps= schwerer Tisch
    • ggox yk amps = zu schwerer Tisch
    • sat’yk amps = größere Tische
    • elat’yk amps = größte Tische
    • ggoxat’yk amps = zu große Tische

Pronomen

Es existieren die Personalpronomen phe (ich), sto (du), ggmen (wir), steti (ihr)

Für die dritte Person werden meist varp (Mann) und gil (Frau) benutzt.

Interogativ ist „män“ – „wer“.

Relativ und demonstrativ ist adjektivisches vi (v‘), dass allerdings auch substantivisch benutzt werden kann.

Verben und Syntax

Verben können finite Formen (konjugiert nach Tempus, Aspekt, Person, Numerus und ggf. Modus) und Partizipien (flektiert nach Tempus und Diathese, ggf. nach Aspekt; dekliniert nach Numerus und Nominalklasse des Subjekts wie Adjektive). Wichtig ist die Unterscheidung zwischen sog. finiten, periphrastischen und partizipialen Tempora, jenachdem, ob ein finites Verb oder ein Partizip und ein Hilfsverb oder ein Partizip zugrunde liegt. Dies hat bedeutende Konsequenzen auf die Satzstellung.

Finite Tempora: Subjekt – VERB (Prädikat) – Objekt – Adverbien

Partizipiale Tempora: Eine Form von „eläm“ („es gibt“) – Adverbien – PARTIZIP (Prädikat)+Adjektivendung – Subjekt – Bindepräposition (meist l) – Objekt.

Das Verb eläm

„eläm“ im Infinitiv bedeutet „vorhanden sein“

Im Präsens lautet es „eg“, im Präteritum „egga“, im Antipräsens „älti“, im Futur „fÿph“.

Präsens

-~n- Präsens (Aktiv, Kontinuum-Lokativ)
  • Suffix: -~n-
  • Verwendung: Kontinuierliche Prozesse, die fortdauern, ohne dass nach Anfang und Ende gefragt wird. Dabei haben sie eine präsentische Bedeutung, können aber je nach Kontext als. Ist außerdem das einzige Partizipiale Präsens, dass mit lokativischen Präpositionen gebildet werden kann (ko – auf…drauf; ggni – in… drin;

Z.B.:  (Eg) ikhnu rkoph l phe – (es gibt) schlagenden Räuber mich = Der Räuber schlägt mich (unaufhörlich).

(Eg) sürhnata foro l sto – (es gibt) fehlender Tempel dich = Dir fehlt ein Tempel. (sür=fehlen)

(Eg) baphnu varp ko oks – (es gibt) gehender Mann auf der Straße  = Der Mann geht auf der Straße. (bap=gehen; ko = auf)

(Eg) deznÿn/deznu phe l sto. – (es gibt) suchendes Ich dich = Ich suche dich (ohne dich zu finden).

 

zi-f- Präsens (Aktiv, Ingressiv-Allativ)
  • Präfix zi- und Suffix -f (kann zu v werden!)
  • Verwendung: Betont den Anfang einer Handlung. Ist außerdem das einzige Partizipiale Präsens, das mit allativen Präpositionen gebildet wird (Bsp. folgt unten) ggni (in… hinein)

(Eg) zikvu rkoph l phe – (Es gibt) schlagenden Räuber mich = Der Räuber beginnt, mich zu schlagen.

(Eg) bapvu/bapfÿn sto ggni bäst – (Es gibt) ein gehendes Du in das Haus. = Du gehst ins Haus.

(Eg) zisürf dolo l gil – (Es gibt) fehlendes Buch der Frau, Der Frau beginnt ein Buch zu fehlen = Ihr wird ein Buch weggenommen, sie verliert ihr Buch…

(Eg) zibapfÿn gil ko oks – (es gibt) gehende Frau auf die Straße = Sie geht auf die Straße.

 

 

Grundlagen

Finite Formen

Person/Diathese Aktiv Medium Passiv
Sg1 -ep -*ipon -op
Sg2/3 -e -*in -o
Pl1 -epeph -*ipnoph -opoph
Pl2 -ÿli -ÿlon -oro
Pl3 -ere -*iron -oro
Leere Person -el -*in -o

Partizipien

 

 

 

 

 

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