Die Globale Balmanisierung

Ein Gastbeitrag von Syńa Qydama

Mynna, 12.09.2519. Fast zwei Jahre ist es jetzt her, dass der provisorische DVD-Regulator Adam Aarherz die vollständige Abschaffung des eigenen Nuklearwaffenarsenals beschlossen hat. Damit verlor der BAMBU seine letzte Atommacht – und ebenfalls das letzte Druckmittel im internationalen Dialog. Hoch anzurechnen ist Aarherz diese Entscheidung zweifelsohne, doch welche Konsequenzen zieht dieser Rückzug nach sich?

Innenpolitisch wurde Aarherz heftig für die Entscheidung kritisiert. Man überlasse der IADN kampflos das Feld, argumentierten seine Kritiker; der von Aarherz gemutmaßte Rückzug der assoziierten Staaten als Gegenzug der neuen Bamberger Außenpolitik sei Wunschdenken. Tatsächlich, so scheint es heute, sollten seine Kritiker Recht behalten: Der STAVA, seiner Zeit als neutrales Bündnis auch von BAMBU-Stimmen in die ITUF integriert, ist mittlerweile mit der IADN synonym; exemplarisch genannt seien die Beziehungen zwischen Nordakronor und Diktatistan, welche sich seit dem IADN-Beitritt der VSN konstant verschlechtert haben. Nichtsdestoweniger, so argumentiert man im Staatenverbund, sei die wirtschaftliche Lage und die außenpolitische Stabilität besser denn je – hier bereut man in keinster Weise den Schulterschluss mit der Allianz.

Handelt es sich bei der IADN tatsächlich um die Inkarnation des Guten; den ultimativen Heilsbringer für alle Staaten der Welt? Mitnichten. Was wir erleben ist viel mehr eine „Balmanisierung“ ganzer Kontinente, welche die politischen Führer von IADN und FRNX wie seit jeher mit reinstem Gewissen vollziehen. Was ebendiese dabei aus dem Auge verlieren ist die offenkundige Tatsache, dass infolge der Verweigerung des BAMBU, jede Art von außenpolitischer Verantwortung zu übernehmen, derartige imperialistische Bestrebungen vollständig obsolet geworden sind. Dass die IADN zwar symbolhaft Staaten wie das Kingdom of Desire aus der Allianz entlässt, andererseits ihr Nuklearwaffenarsenal auf einem nicht gerade geringen Niveau konstant hält oder sogar ausbaut, zeigt, worum es dieser Allianz tatsächlich geht: Es soll rund um den Globus so lange balmanisiert werden, bis alle Staaten gleich abhängig von Balmanien sind, sodass man endlich wieder Neokolonialismus der Ära Bertelsmann beitreiben kann – das Ziel ist also, wenn man so will, eine zweite Ära der Balmanischen Globaldominanz durch die Hintertür.

Der Zeitpunkt, zu dem man weiter an Köh und Lenskø appellieren könne, sie mögen anstatt ihrer neoimperialistischen Außenpolitik lieber neutrale Bündnisse vor Ort unterstützen, ist bedauerlicherweise vorüber. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt braucht es bereits ein Druckmittel, um der sich wie eine Spinne um den Globus windenden Organisation Paroli bieten zu können. Dieses machtpolitische Vakuum, welches Aarherz und Furyatan hinterlassen haben, aufzufüllen, ist nun die dringlichste Aufgabe aller am Weltfrieden interessierten Republiken.

Ungeachtet der innenpolitischen Voraussetzungen haben drei Blöcke aktuell das Potential, die Nachfolge des BAMBU als globalpolitische Macht anzutreten. Zweifelsohne machtpolitische Ambitionen hegt das Kartell aus der Triade der Militärmächte Tegrim, VSN und Allmeeren. Dass diese Gruppe in der Lage ist, binnen kürzester Zeit aus dem Nichts eine militärische Schlagkraft die ihresgleichen sucht aus dem Boden zu stampfen, wurde im Rahmen des Militärstützpunktes in Tegrim inklusive des anschließenden Einweihungsmanövers der gesamten Welt anschaulich demonstriert – sehr zum Ärgernis der FRNX-Führung. Zum nächsten wäre das bangabandhische Kartell aus Unionsrepublik, Ehrbaren und ggf. sogar Assasam und Gonshu in der Lage, gemeinsame Außenpolitik zu betreiben – das zugegebenermaßen aktuell in weiter Ferne befindliche Ende der bewaffneten Konflikte vorausgesetzt. Und nicht zuletzt, eine gegenwärtig wenig diskutierte, aber dennoch nicht abwegig erscheinende „Koalition der Neutralen“, unter der Torassia, Paramur und ggf. sogar Kanabien selbst eine nie dagewesene, militärische Allianz formieren könnten.

Zweifellos sind derartige geostrategische Überlegungen zum gegenwärtigen Zeitpunkt höchst spekulativ und entbehren jeder faktischen Grundlage. Nichtsdestoweniger halte ich es für wesentlich, bereits jetzt derartige Dialoge zu führen, um die ohnehin schon vorhandene globale Übermacht der IADN in ihre Schranken zu verweisen.

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